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Astronomietagung EWASS: Mit den Beatles nach Alpha Centauri

Auf die Frage, ob es Leben im Alpha-Centauri-System gibt, kann die EWASS in Liverpool keine Antwort geben. Wie es herauszufinden wäre, dafür haben Wissenschaftler einige Ansätze parat und wollen mit den Beatles mehr Menschen für Astronomie begeistern.

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Astronomietagung EWASS: Mit den Beatles nach Alpha Centauri

Eine per Laser angetriebene Raumsonde mit Sonnensegel soll zum Alpha-Centauri-System reisen.

(Bild: Planetary Habitability Laboratory, Univesity of Puerto Rico at Arecibo)

Wer in Liverpool eine große Konferenz zur astronomischen Forschung veranstaltet, darf die irdischen Sterne offensichtlich nicht aus dem Blick verlieren. Da sind zum einen die Fußballstars des FC Liverpool, die am Mittwoch zum Viertelfinale gegen Manchester City antreten – woraufhin die Organisatoren der European Week of Astronomy and Space Science (EWASS) die Tagungsteilnehmer warnten, dass dadurch die Hotelzimmer knapp und teuer werden könnten. Und dann gibt es natürlich die Beatles.

Den Ruhm dieser Popstars will Viviana Ambrosi von der Scuola Internazionale Superiore di Studi Avanzati in Triest nutzen, um die Beobachtung der Sterne am Himmel und die Erforschung des Universums einem großen Publikum näherzubringen. Nach den Pilzköpfen sind mehrere Asteroiden benannt worden, wiederholt wurde die Besatzung der Internationalen Raumstation mit ihren Songs geweckt und auf dem Merkur gibt es den Krater "Lennon". Wie das helfen soll, mehr Menschen für die spektralen Signaturen komplexer Moleküle in protostellaren Wolken oder die Dualität der Milchstraße zu interessieren, erschließt sich jedoch nicht ohne weiteres.

Interessanter ist da schon der Ansatz, die Musik des Alls auf die Erde zu bringen. Martin Archer (Queen Mary University of London) hat ihn maßgeblich entwickelt. Dabei geht es darum, Plasmawellen und ihre Interaktion mit dem irdischen Magnetfeld zur künstlerischen Inspiration zu nutzen. Hierfür würden Daten des Magnetometers an Bord eines GOES-Satelliten, die über sieben Jahre aufgezeichnet worden waren, in Audiosignale umgewandelt. Ein Datenjahr resultierte in sechs Minuten Sound, erklärt Archer. Dieser Sound wiederum war Grundlage eines Kurzfilmwettbewerbs, bei dem an die Teilnehmer keine weitere Anforderung gestellt wurde, als diese Klänge aus dem All zu verwenden. Die Sieger des Wettbewerbs wurden erstmals im vergangenen September beim SSFX Short-Film Festival in London gezeigt.

Von Drohnen aufgenommene Infrarotbilder sollen dabei helfen, Wilderer aufzuspüren.

(Bild: LJMU)

Als recht bodenständige Anwendung astronomischer Beobachtungstechnik lässt sich auch das von Claire Burke (Liverpool John Moores University) vorgestellte Projekt einstufen: Aufbauend auf der Software Astropy und in Verbindung mit Verfahren des maschinellen Lernens sollen mithilfe von Infrarotsensoren und Drohnen gefährdete Tierarten beobachtet werden, die häufig nachtaktiv sind. "Da Tiere und Menschen in thermalen Frequenzbereichen ähnlich ‚glühen‘ wie Sterne und Galaxien im Weltraum, konnten wir die technische Expertise von Astronomen mit dem Wissen von Naturschützern kombinieren, um ein System zu entwickeln, das die Tiere oder auch Wilderer automatisch findet", erklärte Burke. Ein erster Test in Südafrika, bei dem die stark gefährdeten Buschmannhasen beobachtet wurden, war erfolgreich. Nun soll das System weiter verbessert werden und im Mai Orang-Utans in Malaysia beobachten, gefolgt von Flussdelphinen in Brasilien im Juni.

So sinnvoll die Übertragung astronomischer auf irdische Belange sein mag – um das Interesse des Publikums für den Weltraum zu gewinnen, ist sie nicht notwendig. Das schaffen die Sterne auch ganz alleine. Auf eindrucksvolle Weise zeigte sich das bei der EWASS-Konferenz, als sich der für die Forschungen zum Alpha-Centauri-System reservierte Raum als bei weitem zu klein herausstellte und die Teilnehmer der Sitzung sich kurzerhand entschließen mussten, ins Foyer des Arena and Convention Center (ACC) umzuziehen und ihre Vorträge auf den Monitoren ihrer Laptops zu präsentieren.

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