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Atari VCS: Neue Infos zur modernen Retro-Spielekonsole

Bei einem Besuch bei Atari in San Francisco haben wir die neue Retro-Spielekonsole Atari VCS in die Hände genommen. Was final neben einer AMD-APU drin stecken wird, steht aber immer noch nicht ganz fest.

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Atari VCS: Neue Infos zur modernen Retro-Spielekonsole

(Bild: Atari)

Auf der Game Developers Conference 2018 in San Francisco stellte Atari die im letzten Jahr angekündigte Retro-Konsole Ataribox unter ihrem endgültigen Namen vor: Atari VCS heißt sie nun – in Anlehnung an ihren 41 Jahre alten Urahn Atari VCS 2600. Das VCS steht dabei, ältere Leser erinnern sich noch, für "Video Computer System".

Das Design hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nur unwesentlich geändert: Das System erinnert mit seiner Pseudo-Holzfront und den stilisierten Rillen auf der Oberfläche an das VCS 2600. Allerdings gibt es auf der Vorder- und Oberseite keinerlei Bedienelemente: Nur auf der Rückseite befindet sich neben vier USB-3.0-Ports, einem HDMI-Ausgang, einem Micro-SD-Schacht, einem Netzwerk- und einem Stromanschluss eine Reset-Taste.

Angetrieben wird das Atari VCS von einer AMD-APU der Serie Bristol Ridge A10, Details zum verbauten RAM oder Massenspeicher wollte uns Ataris COO Michael Arzt noch nicht nennen – die Entwickler würden derzeit noch verschiedene Kombinationen austesten. Bekannt ist hingegen, dass die Konsole 4K-Grafik in HDR bei 60 Bildern pro Sekunde beherrschen und in der Grundausstattung für rund 250 US-Dollar mit einem Joystick ausgeliefert werden soll. Der erinnert mit seinem einzigen orange-roten Knopf an den klassischen Steuerknüppel.

Der Joystick und ein optionales Gamepad verbinden sich via Bluetooth 5.0 mit der Konsole. Wer sich kein Netzwerkkabel quer durchs Wohnzimmer legen möchte, freut sich über WLAN-Support für das 2,4- und 5-GHz-Band. Zum Einschalten soll man das Sofa nicht verlassen müssen – das Atari VCS soll sich per Sprachkommando aktivieren lassen. Die obskure Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung des an sich fertigen Produkts erwähnte der Atari-Manager bei unserem Ortstermin übrigens mit keinem Wort.

Als Betriebssystem setzt Atari bei der Retrokonsole auf Linux und eine grafische Oberfläche, die das Navigieren auf dem Fernseher erleichtert. Zu den mitgelieferten Programmen sollen außerdem ein Webbrowser, ein Store für alte und neue Spiele sowie ein Sandbox-Modus gehören. Welche Freiheiten die Sandbox den Käufern bietet, ist unklar. Das Programmieren eigener Apps soll, so Michael Arzt, ausdrücklich möglich sein.

Atari VCS (5 Bilder)

Das rund 250 US-Dollar teure Atari VCS feiert mit seiner Pseudo-Holzfront und den Kühlrippen das Design des ursprünglichen Video Computer Systems.
(Bild: Roland Austinat)

Damit kann das Atari VCS auch als Streaming-Client für Netflix, Amazon Prime, Hulu, Twitch und Co. genutzt werden – entweder per Browser oder mit eigenen Apps, wie es sie auch für moderne Spielekonsolen gibt. Doch hauptsächlich soll das Gerät als Spielezentrale dienen: Atari will es mit rund 100 Oldie-Games, aber auch neuen Titeln wie "Tempest 4000" ausliefern. Andere Hersteller sind angefragt: Die Bandbreite reicht von klassischen Titeln aus dem letzten Jahrtausend bis hin zu den rührigen Fans von Atari Age, die noch heute Spiele für die betagte Konsole schreiben.

Ab April soll das Atari VCS vorbestellbar sein, in den Wochen vor der Spielemesse E3 im Juni sollen weitere Informationen folgen. Nur: An welche Zielgruppe richtet sich das Produkt, dessen Preis durchaus in den Orbit moderner Konsolen aus dem Hause Microsoft und Sony vorstößt? "Wir wollen alle Videospieler erreichen – von Casual- bis zu Hardcore-Gamern", sagt Michael Arzt. Er definiert die Trennlinie zwischen den beiden Gruppen über das Alter ihrer Mitglieder: "Wer über 35 Jahre alt ist, kennt Atari noch aus seiner Kindheit. Jüngeren Leuten ist Atari als Retro-Marke ein Begriff, auch wenn sie nie in ihrem Leben vor der Konsole gesessen haben."

Um die Veteranen anzusprechen, wäre doch ein Adapter grandios, mit dem man alte Module an das Atari VCS anschließen könnte – mehr Retro geht doch nicht, oder? Michael Arzt grinst: "Ich sage jetzt vielleicht zu viel, aber unsere Designer haben schon Entwürfe für so etwas gemacht. Aber wir sind uns nicht sicher, wie viele Superfans es gibt, die ein solches Add-on kaufen würden." Wie wäre es dann mit einer portablen Atari-Konsole, die wie Nintendos Switch daheim und unterwegs für Spielspaß sorgt? "Lasst uns in fünf Jahren darüber sprechen, vielleicht ist das dann etwas für das Atari VCS 2", orakelt Arzt. (olb)