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Atari VCS: Schwarmfinanzierte Retro-Gaming-Konsole steht vor dem Aus

Offenbar aufgrund von Missmanagement und ausbleibenden Zahlungen hat der Hardware-Architekt hinter der Atari VCS die Arbeit eingestellt.

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(Bild: Atari)

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Nach mehreren Verschiebungen wird die Retro-Gaming-Konsole Atari VCS womöglich gar nicht mehr das Licht der Welt erblicken. Eigentlich hat Atari das Unternehmen Tin Giant beauftragt, die Spielekonsole zu entwickeln. Im Gespräch mit dem Magazin The Register verriet der Leiter Rob Wyatt – vor der Jahrtausendwende schon an der originalen Xbox beteiligt –, dass er die Arbeiten an der Atari VCS eingestellt hat, weil die Zahlungen seitens Ataris seit einem halben Jahr ausgeblieben seien.

Die Atari VCS wurde im Sommer 2018 mit gut 3 Millionen US-Dollar über eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo finanziert. 2018 sah Atari einen straffen Zeitplan mit einer Markteinführung im Sommer 2019 vor. Anstelle einer Vorstellung vertröstete das Unternehmen die Vorbesteller und startete eine neue Verkaufsrunde. Erst im September 2019 soll laut Wyatt ein erster Mainboard-Prototyp mit AMDs Ryzen-Prozessor fertiggestellt worden sein – die gezeigten Gehäuse waren immer Mock-Ups ohne Funktion.

Aktuell soll der Dienstleister SurfaceInk noch an der Atari VCS arbeiten. Aufgrund der bisherigen Entwicklung geht The Register davon aus, dass Atari den aktuellen Veröffentlichungstermin im März 2020 nicht einhalten kann, und zeigt Bedenken, ob die Konsole überhaupt jemals erscheinen wird.

Laut verschiedenen Quellen stellt Ataris Unerfahrenheit in der Konsolenentwicklung den Kern der Probleme dar. Hinter Atari verbirgt sich nur noch ein kleines Unternehmen, das die Rechte am Namen hält und weiterlizenziert.

Die Verantwortlichen hätten kein Budget für ein eigenes Betriebssystem auf Linux-Basis freigegeben, weshalb eine Standard-Distribution zum Einsatz kommen soll – dementsprechend seien keine konsolentypischen Optimierungen möglich. Die zwei größten Engine-Anbieter Epic Games (Unreal Engine) und Linux habe Atari nicht ins Boot geholt. Ein Budget für Spieleentwickler gebe es nicht, womit Studios keinen Grund hätten, ihre Titel für die Atari VCS zu portieren. Mit knapp 15.000 Vorbestellungen gebe es keine Nutzerbasis, die eigene Investitionen rechtfertigte. Auch seien keine nativen Medien-Apps geplant, zum Beispiel für Netflix oder Amazon Prime Video. Die Dienste würden lediglich in einem Chromium-Browser laufen.

Unterm Strich wäre die Atari VCS nur eine günstige Steam Machine mit Ryzen-Kombiprozessor im schicken Gehäuse. Das Schicksal könnten sich beide Konzepte teilen. (mma)