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Atlanta verbietet nächtliches Vermieten von E-Fahrrädern und -Tretrollern

Viermal haben Kraftfahrer in Atlanta Tretroller-Fahrer getötet. Die Stadt reagiert mit einem Nachtmietverbot für E-Tretroller und -Fahrräder.

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Mahnmal für einen Scooter-Fahrer in Washington, DC.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Die US-Stadt Atlanta untersagt das Vermieten elektrischer Tretroller ("E-Scooter") und elektrisch unterstützter Fahrrädern zwischen 21 und 4 Uhr. Als Begründung werden vier Unfälle angeführt, bei denen jeweils ein Zusammenstoß mit einem Kraftfahrzeug einen Fahrer eines E-Tretrollers das Leben gekostet hat. Außerdem hat Atlantas Bürgermeisterin ein neues Lizenzmodell angekündigt. Ab Februar 2020 soll nur noch eine kleinere Anzahl von Anbietern zugelassen sein, die ein "sichereres, ordentlicheres" System versprechen.

Seit Mai werden in Atlanta die so genannten E-Scooter vermietet, die nicht auf Bürgersteigen benutzt werden dürfen. Noch im selben Monat wurde ein 20-Jähriger beim Einbiegen von einem Parkplatz in eine Fahrbahn erfasst und tödlich verletzt. Mitte Juli wurde ein 37-Jähriger auf dem Heimweg von einem Fußballspiel von einem Autobus überfahren. Ende Juli wurde eine 34-Jährige von einem Fahrerflüchtigen getötet. Ihr Mann war einige Meter vor seiner Frau gefahren und blieb körperlich unverletzt. Das Paar hatte an dem Abend zum ersten Mal E-Tretroller ausprobiert.

Vergangenen Dienstag um etwa 6.30 Uhr in der Früh (Ortszeit) soll ein 46 Jahre alter Scooter-Fahrer eine rote Ampel missachtet haben. Er fuhr in die Seite eines Tanklastwagens und überlebte den Zusammenstoß nicht. Dem Chauffeur des Lastkraftwagens wird nichts angelastet. Todesfälle gibt es auch in anderen US-Städten, allerdings dürfte Atlanta derzeit die höchste Falldichte aufweisen.

Atlantas Polizei will Übertretungen des Fahrverbots nicht ahnden, da es sich um kein Gesetz handelt. Allerdings halten sich die Anbieter laut US-Medienberichten an das städtische Verbot, sodass zwischen 21 und 4 Uhr keine Scooter mehr gemietet werden können. E-Fahrräder und -Tretroller in Privatbesitz sind nicht betroffen und dürfen weiterhin rund um die Uhr gefahren werden.

Klimaretter, Ökosünde, Ärgernis?

(Bild: SFIO CRACHO / shutterstock.com)

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Nashville hat die Miet-Scooter gänzlich verboten, nachdem ein 26-Jähriger entgegen der Fahrtrichtung in eine Fahrbahn eingebogen und dort von einem Kraftfahrzeug tödlich getroffen worden war. Laut der Zeitung Tennessean hatte er fast zwei Promille Alkohol im Blut. Über neue Einschränkungen für Kfz wird weder aus Nashville noch aus Atlanta berichtet.

Neben Atlanta und Nashville verbitten sich mindestens 26 weitere US-Kommunen Miet-Tretroller. Allerdings beziehen sich diese Verbote in aller Regel spezifisch auf "dockless systems", also Angebote ohne fixe Abstellorte. Dabei können die Nutzer die Roller und Räder an beliebigen Orten zurücklassen. Bei solchen Flotten versperren die Fahrzeuge regelmäßig Wege und führen zu Konflikten mit Fußgängern, Menschen mit Behinderungen oder Kinderwägen sowie Dienstleistern wie Straßenreinigung und Müllabfuhr. Dem beugen die Kommunen mit einem Verbot vor.

Die Karte (zu Redaktionsschluss Stand 8. August) zeigt die Verbreitung 20 verschiedener Anbieter in den USA. Manche sind bereits in Dutzenden Städten vertreten. Die Karte wird von der Redaktion von smartcitiesdive.com befüllt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In jüngerer Zeit kommen zudem Anbieter von Miet-Motorrädern auf den Markt. (ds)