Computex

Atom-Netbook mit Android von Acer

Die Atom-Version des Smartphone-Betriebssystems spart gegenüber Windows Kosten, soll schneller booten und löst das Synchronisierungs-Problem.

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Von
  • Jörg Wirtgen

Acer hat auf der Computex angekündigt, Netbooks wahlweise mit Android auszustatten. Spezielle Hardware kommt dabei nicht zum Einsatz, sondern das ursprünglich für Smartphones konzipierte und bislang auf ARM-Prozessoren eingesetzte Betriebssystem läuft auf den ganz normalen Netbooks von Acers Aspire-One-Serie. Alle Modelle sollen weiterhin auch mit Windows lieferbar bleiben. Die Android-Versionen sollen im dritten Quartal erhältlich sein und weniger kosten als die Windows-Versionen – genaue Preise wollte Acer noch nicht nennen, auch weil die Windows-Versionen in verschiedenen Ländern unterschiedlich teuer sind.

Android löst einige Probleme der Netbooks: Die Anwendungen sind für noch geringere Ressourcen ausgelegt und sollten auf Netbooks zügig laufen. Für einen ordentlichen Nachschub an Anwendungen sorgt der Webshop, die Installation dürfte für unbedarfte Anwender einfacher funktionieren als die von Windows-Anwendungen. Nicht zuletzt kümmert Android sich um die Synchronisation von Dateien, Terminen, Adressen und Links zwischen PC und Netbook – ein Thema, das unter Windows nicht immer trivial zu lösen ist und dem sich Moblin, die andere Netbook-Linux-Oberfläche, auch nicht besonders widmet.

Atom-Netbook mit Android von Acer (3 Bilder)

Das x86-Android läuft auf Acers Netbooks der Aspire-One-Serie mit Atom-Innereien. Neben der Uhr zieren nur Firefox und der Standard-Browser das Startbild. Das Android-Menü klappt nach Drücken der Windows-Taste von rechts ein.

Darüber hinaus hebt Acer eine schnellere Bootzeit von 18 Sekunden hervor, was jedoch ein nur im Standby schlummerndes Windows locker unterbietet – üblicherweise ist es aufgewacht, bevor der Anwender den Displaydeckel komplett aufgeklappt hat. Internetverbindungen nimmt das x86-Android laut Acer per LAN, WLAN und UMTS auf. Das Powermanagement sei nicht ganz so gut wie unter Windows, aber die Laufzeiteinbußen würden im kaum wahrnehmbaren Bereich liegen.

Die Anpassung von Android an Netbooks erfordert mehr als nur ein funktionierendes Compilat. Das zu kleine Hintergrundbild ist dabei noch das unwichtigste Problem.

Die Standardoberfläche von Android fühlt sich auf Netbooks unnötig umständlich an. Sie ist so sehr auf die Bedienung per Touchscreen ausgelegt, dass Maus, Touchpad und Tasten in einigen Anwendungen nicht ordentlich funktionieren. So gelang es uns im Browser nicht, Webseiten zu scrollen, sondern nur mit den Pfeiltasten von Link zu Link zu springen. Auch fehlte eine offensichtliche Möglichkeit, eine Seite zurückzublättern. Für viele Funktionen, beispielsweise zum Bestätigen eines Dialogs, muss man erst die Menütaste bemühen, um den Schließen-Knopf einzublenden. Acer installiert eine weitere Anwendung, und die ist auch bitter nötig: Firefox. Damit bewegt man sich wie gewohnt durchs Internet, sogar Flash-Seiten wie YouTube funktionieren.

Acer gehörte zu den wenigen Netbook-Herstellern, die von Anfang an wahlweise statt Windows ein Linux mit einer selbstentwickelten Oberfläche angeboten haben. Sie sollte den Anwendern den Umgang mit den eingeschränkten Ressourcen des Netbooks erleichtern, kam aber offensichtlich nicht besonders gut bei den Kunden an, denn schon beim zweiten Netbook verschwand die Linux-Option zugunsten von Windows XP. Mit dem x86-Android geht Acer nun erneut einen Schritt Richtung einfacherer Benutzbarkeit – auf einem allerdings noch ziemlich holprigen Weg.

Auch andere Notebook-Hersteller hatten angekündigt, Android auf x86-Netbooks einzusetzen, darunter HP, Dell und Asus. (jow)