Atom-PC mit Suse Linux für 250 Euro

Als einer der ersten Großserienhersteller liefert MSI den Wind PC mit Intel-Atom-CPU, 1 GByte Hauptspeicher und 320-GByte-Festplatte aus.

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Von
  • Christof Windeck

Mit dem MSI Wind PC startet einer der ersten hierzulande lieferbaren Desktop-Kompaktrechner, die Intel Nettops nennt: Getreu den Intel-Empfehlungen bestückt MSI das Mainboard des Geräts mit dem 4-Watt-Prozessor Atom 230, der Desktop-PC-Version des für Netbooks vorgesehenen Atom N270, und dem unter Volllast vergleichsweise wenig sparsamen Chipsatz 945GC. 1 GByte DDR2-SDRAM, eine 320-GByte-Festplatte im 2,5-Zoll-Format, ein Card-Reader sowie ein DVD-Brenner komplettieren den Wind PC alias MSI PC2713, den einige Händler nach eigenen Angaben bereits liefern können. Der Listenpreis soll in Deutschland 249 Euro betragen, MSI installiert als Betriebssystem nach eigenen Angaben das 2005 vorgestellte Suse Linux 10.0.

Anders als etwa auf dem Intel-Atom-Mainboard D945GCLF und den meisten anderen Atom-230-Boards kann der Onboard-Netzwerkchip des Wind PC Daten auch mit GBit-Ethernet-Geschwindigkeit übertragen, der Soundchip bedient 7.1 analoge Audio-Kanäle. MSI verspricht, dass der Rechner im 4,7-Liter-Gehäuse mit 30 dBA Schalldruckpegel auch leise arbeiten soll. Der auf der Computex in mehreren Gehäusefarben gezeigte Wind PC ist nur in schwarz erhältlich. Eine Produkt-Webseite findet sich bisher weder bei MSI Deutschland noch auf dem taiwanischen Server. Das Wind Board scheint nicht mit der Hauptplatine des Wind PC identisch zu sein, denn es besitzt beispielsweise lediglich einen 100-MBit-Netzwerkchip und 5.1-Sound.

Leider fehlt dem Wind PC ein DVI- oder HDMI-Port zum Anschluss digitaler Monitore; der im Chipsatz integrierte, DirectX-9-taugliche GMA-950-Grafikkern steuert lediglich einen VGA-Port an. Für einen DVI-Port wäre auf dem Board ein Zusatzchip nötig; die beim Chipsatz 945GC theoretisch denkbare Nachrüstung einer ADD2-Karte mit DVI-Port ist beim Wind PC unmöglich, weil ein PCI-Express-x16-Slot ebenso fehlt wie andere Steckplätze für Erweiterungskarten.

Mit dem Eee Box B202 fertigt MSI-Konkurrent Asus einen noch kompakteren Nettop, der die sparsamere Mobil-Hardware-Kombination Atom N270/945GSE nutzt und darüber hinaus sowohl DVI-Port als auch 802.11b/g-WLAN bietet; dem in den USA bereits offerierten Asus-Gerät fehlt aber ein optisches Laufwerk, es bietet weniger USB-Ports und die Festplatte fasst lediglich 80 GByte. Letzteres ist wahrscheinlich ein Zugeständnis an die Microsoft-Lizenzbedingungen, die die herstellerseitige Vorinstallation des eigentlich nicht mehr ausgelieferten Windows XP nur noch auf Geräten mit magerer Hardware-Ausstattung erlauben.

Nettops haben auch eine ganze Reihe anderer Hersteller angekündigt; darunter sind bisher aber noch keine Varianten mit dem kommenden Atom 330, der höhere Rechenleistung verspricht. Zurzeit gibt es nach Informationen aus der Branche auch noch Lieferengpässe bei den Atoms; Intel wurde nach eigenen Angaben von der großen Nachfrage überrascht. Viel mehr Produktauswahl als bei den Nettops gibt es bei den Netbooks, also billigen Mini-Notebooks mit Atom N270.

Bei den Typenbezeichnungen von Atom-Prozessoren und den passenden Chipsätzen herrscht häufig Verwirrung: Selbst die Intel-Webseite spricht bei den "Diamondville"-Atoms für Netbooks und Nettops mal von Atom 230, mal von Atom N230 – obwohl das "N" eigentlich der Mobilversion Atom N270 mit gleicher Taktfrequenz von 1,6 GHz, aber niedrigerer TDP und weiteren Energiesparfunktionen, vorbehalten zu sein schien. (ciw)