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Technology Review

Atomkatastrophe in Japan: Verseuchte Trümmer und radioaktives Wasser behindern Arbeiten

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Die Aufräumarbeiten im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, das durch das schwere Erdbeben der Stärke 9 und die anschließende Flutwelle am 11. März zerstört wurde, gehen weiterhin nur langsam voran. Große Mengen an hoch kontaminiertem Wasser, das sich in den Sicherheitsbehältern der Reaktorblöcke 1-3 angesammelt hat, behindern auch weiterhin die Sicherungs- und Reparaturarbeiten. Zwar konnte Tepco das Abfließen von kontaminiertem Wasser ins Meer aus Block 2 am 6. April stoppen und hat mittlerweile rund 1700 Tonnen verseuchtes Wasser aus Block 2 abgepumpt. Laut der Gesellschaft für Reaktorsicherheit sollen sich aber in den Reaktorgebäuden insgesamt schätzungsweise rund 87.500 Tonnen belastetes Wasser angesammelt haben. Anfang Mai soll eine Anlage installiert werden, mit der ab Juni dann täglich 1200 Tonnen des radioaktiven Wasser aufbereitet werden können.

Die Lage an den beschädigten Reaktorblöcken selbst bleibt unterdessen – vorerst – stabil: Alle drei Reaktordruckbehälter werden mittlerweile kontinuierlich mit Frischwasser bespeist. In Block 1, der den Tepco-Ingenieuren zur Zeit am meisten Kopfzerbrechen bereitet, hat man in den vergangenen Tagen systematisch den Frischwasserzustrom herauf- und wieder heruntergefahren, um aus den Druck- und Temperaturänderungen auf die Funktionsfähigkeit der noch verbliebenen Messinstrumente schließen zu können. Eine abschließende Analyse steht aber noch aus – nach den letzten, veröffentlichten Messwerten beträgt der Druck in Block 1 zwischen 5 und 12 Bar, während er in den Blöcken 2 und 3 sehr viel niedriger ist. Eine Neubewertung der gemessenen Dosisleistungen der Containmentüberwachung ergibt für Block 1 einen Kernschadensanteil von 55 Prozent statt den zuvor vermuteten 70 Prozent. Experten gehen dennoch davon aus, dass die Kernschmelze die Kühlung erheblich erschwert. Für eine dauerhaftere Kühlung müsste der Wasserpegel im Reaktordruckbehälter, der nach den letzten veröffentlichten Daten immer noch 1,7 Meter unter der Oberkante der Brennelement-Gebinde liegt, weiter erhöht werden. Das könnte aber neue Risse im Reaktordruckbehälter erzeugen.

Unterdessen berichtet die japanische Nachrichtenagentur Nikkei, dass Betreiber Tepco Anfang Mai drei zusätzliche Roboter in die beschädigten Blöcke schicken will. Am 17, und 18. April hatte das Unternehmen bereits einen ersten Anlauf unternommen, und zwei Packbot-510-Modelle des US-Herstellers iRobot zur Inspektion in Block 1, 2 und 3 geschickt. In Block 1 und 3 maßen die Roboter Dosisleistungen zwischen 10 und 57 Millisievert pro Stunde - in Block 2 mussten die Roboter allerdings wieder abdrehen, weil die Kameralinse durch zuviel Dampf beschlug. Nun sollen laut Nikkei zwei Talon-Roboter der britischen Rüstungsschmiede Quinetiq und ein in Japan entwickeltes Modell namens Quince zum Einsatz kommen. Die Roboter sollen vor allem stark radioaktive Trümmer aufspüren und kartographieren. Laut World Nuclear News sind bislang vor allem in der Nähe von Block 3 Trümmerstücke gefunden worden, die mit bis zu 300 Millisievert pro Stunde strahlen.

Siehe zum Erdbeben in Japan und der Entwicklung danach auch:

Zu den technischen Hintergründen der in Fukushima eingesetzten Reaktoren und zu den Vorgängen nach dem Beben siehe:

(wst)