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Atommüll-Transport auf dem Neckar am Ziel – Protest geht weiter

Der erste Castor-Transport auf dem Wasser ist Geschichte – aber der nächste steht wohl schon bald bevor. Die Gegner wollen das nicht zulassen.

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Für den Castortransport über den Neckar wurde vorab ein Funktionstest durchgeführt, den die EnBW auch für ein erklärendes Video dokumentiert hat. Für den Test wurden leere Castorbehälter vom AKW Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim verschifft.

(Bild: EnBW, Funktionstest-Video)

Der bundesweit erste Atommüll-Transport per Schiff hat sein Ziel erreicht – aber die Gegner geben nicht auf. Die vier weiteren geplanten Transporte auf dem Neckar vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim ins Zwischenlager Neckarwestheim wollen sie nach Möglichkeit verhindern. Das Aktionsbündnis "Neckar castorfrei" will nicht nachlassen und die Gemeinde Neckarwestheim weiter juristisch gegen die Transporte vorgehen.

Brennelemente-Behälter im Zwischenlager Neckarwestheim

(Bild: EnBW)

Begleitet von Protesten war am Mittwoch erstmals in Deutschland hoch radioaktiver Atommüll auf einem Fluss transportiert worden. Aktivisten verzögerten die umstrittene Fahrt, als sie sich trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen von einer Neckar-Brücke abseilten. Weitere größere Zwischenfälle blieben auf der rund 13 Stunden langen Fahrt aber aus. Am Abend erreichte das Schiff mit drei Castor-Behältern mit ausgedienten Brennelementen das Zwischenlager in Neckarwestheim.

Die Gemeinde Neckarwestheim hatte versucht, den Transport zu verhindern, war aber vor Gericht gescheitert. Nun kündigte sie weitere Schritte an. "Wir werden bis zum 4. Juli Beschwerde einlegen beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg", sagte Bürgermeister Jochen Winkler (parteilos) der dpa. "Das gibt uns auch die Gelegenheit, die Unterlagen zur Genehmigung der Transporte zu sichten. Wir hoffen auch eine ehrliche Beurteilung unserer Argumente."

Das Aktionsbündnis will die Protest-Erfahrungen des ersten Transports auswerten und für den zweiten nutzen. "Natürlich machen wir weiter", sagte Organisator Herberth Würth. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Widerstand beim ersten Mal – es ist immer schwierig, unter der Woche zu mobilisieren."

Das Umweltministerium weist auf die Problemlage hin: "Das Zeug ist da!" Welche Konsequenzen daraus genau zu ziehen sind, bleibt hoch umstritten.

(Bild: Umweltministerium von Baden-Württemberg)

Der Energieversorger EnBW hält die Beförderung für eine sichere Lösung. Das Unternehmen argumentiert, dass der Transport des Atommülls nach Neckarwestheim den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim überflüssig mache. Das Unternehmen plant mittelfristig vier weitere Transporte mit je drei Castoren. Damit sollen insgesamt 342 ausgediente Brennelemente in das etwa 50 Flusskilometer entfernte Zwischenlager gebracht werden. Auf dem Weg müssen sechs Schleusen durchfahren werden. Laut Funktionstest, der im Februar durchgeführt wurde, dauert die (ungestörte) Fahrt über den Neckar etwa zehn bis zwölf Stunden.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hatte den Transport verteidigt. Sein Ministerium in Stuttgart teilte mit, Strahlenmessungen an der Strecke des Transports deuteten auf einen "einwandfreien" Ablauf hin. "Gleiches gilt für das Schiff selbst", hieß es per Twitter. Dort veröffentlichte das Umweltministerium auch eine Vergleichstabelle über gemessene Strahlung. (mit Material der dpa) / (kbe)