Menü

Attacke auf die .eu-Klonkrieger

vorlesen Drucken Kommentare lesen 107 Beiträge

Noch in dieser Woche könnte die belgische .eu-Registrierstelle Eurid die anderthalbmillionste .eu-Domain vermelden. Aber die Kritik am massenhaften Klonen von Registraren zum Start der neuen .eu-Adresszone reißt nicht ab. Kurz vor dem Start der so genannte Landrush-Phase war die Liste der antretenden Registrare, also der Dienstleister für Domainregistrierungen beim .eu-Datenbankbetreiber (Registry) Eurid, auf wundersame Weise auf 1500 Firmen angewachsen. Eine solche Zahl wäre kaum möglich, hätte sich inzwischen nicht eine Vielzahl von Unternehmen mehrfach als Registrar akkreditiert.

Auf der anderen Seite des Atlantiks beschwert sich nun auch Bob Parsons, Chef des Domain-Dienstleister GoDaddy, darüber , dass einige Registrare – gerade aus den USA – sich durch Schlupflöcher im System einen unfairen Vorteil verschafft hätten. Schuld ist für Parsons Eurid, die nichts gegen die unfairen Praktiken unternommen habe. Während GoDaddy-Kunden auf die in Parsons Blog erhobenen Vorwürfe mit Lob und Tadel zu GoDaddys .eu-Erfolgsquote antworteten, reagierte John Kane vom US-Registrar eNom gelassen. eNnom hatte nach eigenen Angaben "unter 50" Klone ins .eu-Rennen geschickt, weil man unterschiedlich bepreiste Dienste anbot und zudem im Namen von anderen Registraren aktiv war. "Jede neue Adresszone hat eben den Landrush-Start", erklärte Kane gegenüber der Zeitung Red Herring, "tut mir leid, wenn Bob findet, dass die Regeln nicht zu seinen Gunsten ausgefallen sind." Weitere Klon-Krieger bekamen Besuch von Slashdot-Nutzern, die den auf der Eurid-Homepage angegebenen Adressen einmal einen Besuch abstatteten.

Einzelne GoDaddy-Kunden kritisierten, das Unternehmen habe zu spät reagiert und sie hätten daher ihre Domains nicht bekommen. Parsons sprach von einer Erfolgsquote von 33 Prozent. Bei 1&1 spricht man dagegen von einer Erfolgsquote von 56 Prozent und rund 90.000 erfolgreich für Kunden registrierten Domains. Bei United Domains reklamiert man eine Zuteilungsquote von 63 Prozent. Bescheidener ist dagegen Domainfactory mit 25 Prozent. Strato kann dagegen auf eine Erfolgsquote von 70 Prozent verweisen und meint, besser seien die Firmen, die mit Mehrfachaccounts registrierten, auch nicht gewesen.

Eurids Sprecher Patrik Linden wiederholte noch einmal die Eurid-Auffassung, dass man allen Registraren die gleichen Chancen gegeben habe. "Es gibt Registrare, die schon seit den 90er Jahren aktiv sind, ganz neue Firmen und alle Varianten dazwischen. Hätten wir nur etablierte Registrare zugelassen, würden wir ja auch Wettbewerb verhindern", kommentierte Linden. Er räumte ein, dass man "ein paar" Protest-E-Mails von Registraren erhalten habe. Ein offizieller Protest würde aber ein Streitschlichtungsverfahren vor dem Schiedsgericht in Prag erforderlich machen. "In einen solchen Verfahren würden wir unsere Position jederzeit vertreten." Man sei bei Eurid überzeugt, dass man den Fairnessgrundsatz eingehalten habe. Auf keinen Fall werde man, wie von Parsons gefordert, Registrierungen einfrieren.

Nach viel Kritik an den Mehrfachakkreditierungen kurz vor Start der Landrush-Phase hatten sich Registrare in Deutschland mehrheitlich zufrieden gezeigt über den .eu-Start. Am Freitag vergangener Woche startete – technisch weitgehend problemlos – diese Landrush-Phase, in der die Registrierung der .eu-Domains allen offen steht. Zuvor wurden in der ersten Sunrise-Phase nur Registrierwünsche von öffentlichen Einrichtungen – etwa Bundes- und Landesbehörden – und eingetragenen Markeninhabern berücksichtigt. In der Sunrise-Phase 2 konnten auch Inhaber von Firmen- oder anderen rechtlich geschützten Namen .eu-Domains vorregistrieren.

Ob es noch ein Nachspiel aufgrund der Proteste gibt, scheint eher zweifelhaft. Für die zu kurz Gekommenen gibt es allerdings noch einmal eine interessante Chance: Noch vor Ende Juni will Eurid eine zweite Welle kleinerer Landrushs machen und die nicht "abgeholten" Sunrise-Adressen freigeben. Darunter könnten noch interessante Adressen sein. Bis dahin darf dann wohl weiter geklont werden. (Monika Ermert) / (jk)