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Auch 2019 wieder mehr globale Kohlenstoffemissionen – Zunahme verlangsamt

Auch in diesem Jahr steigt der CO2-Ausstoß wieder, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die nötige Reduzierung ist in weiter Ferne.

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(Bild: VanderWolf Images/Shutterstock.com)

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Eigentlich muss er längst drastisch zurückgehen, aber auch 2019 nimmt der weltweite Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) erneut zu – wenn auch weniger stark als in den Jahren zuvor. Das hat das Global Carbon Project ermittelt, ein weltweiter Zusammenschluss von Klimaforschern.

Die Ergebnisse wurden parallel zur Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellt. Demnach steigen die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger 2019 um rund 0,6 Prozent (die Unsicherheitsspanne reicht von 0,2 bis 1,5 Prozent), 2018 waren es demnach 2,1 Prozent und 2017 noch 1,5 Prozent. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre habe dadurch einen Wert von 410 ppm erreicht, 47 Prozent mehr als vor der Industrialisierung.

Wie die Forscher erklären, tragen vor allem China (+ 2,6 Prozent) und Indien (+ 1,8 Prozent) zum Anstieg der CO2-Emissionen bei, während die in den USA und der EU um jeweils 1,7 Prozent zurückgegangen seien. Im Rest der Welt steigt der CO2-Ausstoß in diesem Jahr um 0,5 Prozent, heißt es weiter. Für die Reduzierung in den USA und Europa sei vor allem die Abkehr von der Kohle als Energiequelle verantwortlich: Die auf Kohle zurückgeführten Emissionen gehen demnach in diesem Jahr jeweils um 10 Prozent zurück. Zusammen seien die USA, die EU und China für mehr als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, heißt es in der Analyse, die in den Fachzeitschriften Nature Climate Change, Environmental Research Letters und Earth System Science Data veröffentlicht werden.

Die Hoffnungsschimmer aus Europa und den USA würden durch die Anstiege im Rest der Welt aber überschattet, meint Rob Jackson von der Stanford-Universität, der das Global Carbon Project leitet. Zudem seien die Pro-Kopf-Emissionen in den Industrieländern weiterhin überproportional hoch und die Reduzierung in diesen Staaten müsse schneller vonstattengehen als die Anstiege im Rest der Welt, wo mehr Elektrizität und Verkehr zu mehr Wohlstand führen sollen. Jackson weist auf das Ergebnis einer weiteren Studie hin, der zufolge es insgesamt 18 Staaten in den vergangenen zehn Jahren geschafft haben, ihre Wirtschaftskraft zu stärken und gleichzeitig die Emissionen zu senken.

Seit die Weltgemeinschaft 1990 beschlossen hat, sich des Problems der menschengemachten Klimaerwärmung anzunehmen, sind die Emissionen um 62 Prozent gestiegen, rechnen die Forscher vor. Zuletzt hatten sich die Staaten der Welt 2015 im Pariser Abkommen darauf geeinigt, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius begrenzen zu wollen, sonst drohten nicht mehr beherrschbare, katastrophale Folgen. Um dieses Ziel noch erreichen zu können, müssten die CO2-Emissionen ab 2020 für die kommenden zehn Jahre jährlich um 7,6 Prozent zurückgehen, haben die Vereinten Nationen berechnet. "Wenn die gute Nachricht ist, dass die Emissionen langsamer zunehmen, brauchen wir Hilfe", meint Jackson deswegen nun und fragt, "Wann beginnt der Rückgang?"

In Madrid verhandeln derzeit Vertreter von 196 Staaten und der EU über weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat es rechtzeitig zur UN-Klimakonferenz über den Atlantik geschafft und ist mit jenem Protestschild in Lissabon an Land gegangen, mit dem sie vor einem Jahr eine riesige Protestbewegung für mehr Klimaschutz ausgelöst hatte. (mho)