Auch Musicload will (fast) vollständig auf digitale Rechteverwaltung verzichten

Nachdem Apple bei seinem iTunes Store künftig auf DRM (Digital Rights Management) verzichtet, zieht hierzulande Telekom-Tochter Musicload nach. Ab dem 1. April sollen fast alle Lieder im MP3-Format angeboten werden.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 240 Beiträge
Von
  • Dr. Volker Zota

Nach Apples iTunes Store will nun auch Musicload einen Großteil seines Repertoires ohne Kopierschutz verkaufen. Die Tochterfirma der Deutschen Telekom kündigte am Mittwoch an, vom 1. April an mehr als 95 Prozent der Lieder ohne Beschränkungen anzubieten. Der Bundesverband Musikindustrie begrüßte den Schritt der beiden Unternehmen, die in Deutschland die größten Anbieter von legalen Musik-Downloads sind.

Alle großen Plattenfirmen unterstützten die Initiative, sagte ein Musicload-Sprecher am Mittwoch. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund 6,5 Millionen Titel im Angebot, davon derzeit rund 3 Millionen ohne Beschränkungen durch Digital Rights Management (DRM). Fast alle Lieder seien künftig im MP3-Format verfügbar. Ein flexibleres Preismodell sei im Gespräch, aber noch nicht beschlossen. Musicload ermöglicht den Plattenfirmen bereits jetzt, unterschiedlich hohe Preise zu verlangen, die Spanne reicht von 79 Cent bis 1,99 Euro für ein Lied.

Marktführer Apple hatte am Dienstag auf der Messe Macworld Expo in San Francisco vorgelegt und angekündigt, über iTunes künftig einen Großteil der Lieder ohne Kopierschutz anzubieten – darunter auch das Repertoire der großen Plattenfirmen EMI, SonyBMG, Warner und Universal. Im Gegenzug geht der Konzern aus Kalifornien auf die Forderung der Plattenfirmen ein, Lieder nicht mehr zum Einheitspreis von 99 Cent anzubieten, sondern eine Differenzierung zu ermöglichen. Wer bereits gekaufte Dateien vom Kopierschutz befreien will, muss dafür eine "Aktualisierung" in Höhe von 30 Cent zahlen.

Der Bundesverband Musikindustrie, Interessenverband der deutschen Plattenfirmen, begrüßt den Schritt der beiden Anbieter. Durch die Differenzierung sei es nun möglich, dass die Plattenfirmen "auf die Begehrlichkeiten des Marktes reagieren können", sagte Geschäftsführer Stefan Michalk. Neue Titel ließen sich nun zu höheren Preisen als bisher anbieten. "Wesentliche Teile des Umsatzes werden mit dem aktuellen Repertoire gemacht", betonte Michalk – somit ergebe sich für die Anbieter die Chance, höhere Einnahmen zu erzielen. Konsumenten könnten dagegen ältere Lieder auch für geringere Preise kaufen.

Ob der Verzicht auf einen Kopierschutz dem Markt einen Schub geben werde, könne man erst in einigen Monaten beurteilen. Der Umsatz mit Musik aus dem Internet lag im vergangenen Jahr in Deutschland Schätzungen zufolge bei rund 78 Millionen Euro – ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Die Konsumenten dürfen aber jetzt nicht denken, dass man machen kann, was man will", so Michalk. Die Verbreitung der ungeschützten Dateien über Tauschbörsen bleibe verboten.

Tatsächlich tut man gut daran, auf seine DRM-freie Musik aufzupassen, damit sie nicht unwissentlich doch in einer Tauschbörse oder auf einer Webseite auftaucht. Wer beispielsweise einem Kumpel iTunes-Plus-Dateien überlassen hat, darf sich nicht wundern, wenn er Ärger bekommt, falls solche Dateien im Internet auftauchen. Apple personalisiert die Kaufmusik mit Account-Informationen, sodass sich die M4A-Dateien zum Käufer zurückverfolgen lassen. (dpa) / (vza)