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Auch WhatsApp-Verschlüsselung ärgert US-Behörden

Auch WhatsApp sichert seine Chats mittlerweile so gut, dass die US-Behörden nicht mehr an für sie interessante Daten kommen. Laut Insidern werde im Justizministerium derzeit darüber beraten, wie man vorgehen könne, um doch wieder Zugriff zu erhalten.

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WhatsApp

(Bild: dpa, Jens Kalaene/Archiv)

Die Verschlüsselung beim Kurzmitteilungsdienst WhatsApp ist ins Visier der US-Regierung geraten. In einem Ermittlungsfall seien von einem Richter angeordnete Überwachungsmaßnahmen an der WhatsApp-Verschlüsselung gescheitert, berichtete die New York Times am Wochenende. Im Justizministerium werde nun über das weitere Vorgehen beraten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Die US-Regierung steckt bereits in einem Gerichtsstreit mit Apple über das Entsperren von iPhones, der für Schlagzeilen sorgt.

Die Zeitung konnte keine näheren Details zu dem Ermittlungsfall in Erfahrung bringen. Es hieß nur, es sei keine Terrorismus-Ermittlung und es sei unklar, ob die Regierung sich auf einen Streit mit WhatsApp vor Gericht einlassen werde. Wie Peter Eckersley von der Electronic Frontier Foundation der New York Times mitteilte, warten das FBI und das Justizministerium aber nur auf den "richtigen Fall", der das Ersuchen annehmbar aussehen lasse.

Die Auseinandersetzung um Verschlüsselungs- und Sicherungsmaßnahmen habe sich derart für die Behörden hinter den Kulissen zugespitzt, so die Zeitung, weil die bisher übliche Abhörung von Telefonen zunehmend nicht mehr möglich sei. Die einst bewährte Technik sei oft nicht mehr von Bedeutung, da die Menschen mittlerweile andere Kommunikationsmittel nutzen.

Da WhatsApp im Jahr 2014 die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zumindest in der App für Android-Smartphones eingeführt hat, kann das Unternehmen ähnlich wie Apple sagen,man könne keine Daten herausrücken, auf die man keinen Zugriff habe. Nur Absender und Empfänger können bei Android-Smartphones die Nachrichten lesen. Dass WhatsApp nicht nur in den USA (hinter vorgehaltener Hand) für die Verschlüsselung seiner Dienste in der Kritik steht, zeigt unter anderem der Fall eines Facebook-Managers, der in Brasilien verhaftet wurde. Er hatte sich einer richterlichen Anordnung der brasilianischen Behörden widersetzt, Gesprächsprotokolle von WhatsApp an Drogenermittler weiterzugeben. "WhatsApp kann keine Informationen zur Verfügung stellen, die es nicht besitzt", zitierten lokale Medien aus einer Stellungnahme. WhatsApp wurde 2014 von Facebook übernommen. Mittlerweile hat der Dienst eine Milliarde Nutzer weltweit.

Im Fall des iPhone des San-Bernardino-Täters weigert sich Apple trotz gerichtlicher Anordung, dem FBI beim Entsperren des Geräts zu helfen. Der Konzern konterte wiederholt, dass ein Präzedenzfall geschaffen würde. Ein Tool zur Entriegelung des iPhones könne weniger Sicherheit für alle iPhone-Nutzer bedeuten. Viele Firmen des Silicon Valley und anerkannte Sicherheitsexperten wie Bruce Schneier unterstützen das Unternehmen in seiner Argumentation.

US-Präsident Barack Obama hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass eine Balance zwischen den Positionen der Behörden und der IT-Wirtschaft gefunden werden müsse. Verschlüsselung solle so sicher wie möglich sein und auch die Hintertüren so sicher wie möglich. Den Zugriff auf Geräte wie etwa Smartphohnes müsse auf die kleinstmögliche Menge an Leuten begrenzt sein und zwar für ausgewählte, wichtige Fälle. Er gab aber zu, dass er nicht wisse, wie dies anzustellen sei. "Wie wir das designen, dafür habe ich nicht das Expertenwissen". (mit Material der dpa) /

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