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Auch dank Assistenzsystemen: Bundesamt rechnet mit Rekordtief bei Verkehrstoten

Sicherere Fahrzeuge und mehr Assistenzsysteme: Die Zahl der Verkehrstoten könnte auf einen historischen Tiefststand sinken.

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(Bild: Angela Rohde/Shutterstock.com)

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Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland könnte in diesem Jahr so gering ausfallen wie noch nie seit Beginn offizieller Zählungen. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts dürfte sie auf etwa 3090 zurückgehen. "Das wäre der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren", teilte die Behörde am Dienstag in Wiesbaden mit. Auch bei den Verletzten sei ein leichter Rückgang zu erwarten – um etwa drei Prozent auf 383.000. Täglich kommt es auf deutschen Straßen im Schnitt zu acht Todesfällen und mehr als 1000 Verletzten.

"Ursächlich für die positive Entwicklung sind aus Sicht des ADAC vornehmlich die zunehmende Sicherheit von Fahrzeugen sowie der steigende Einsatz von Assistenzsystemen", sagte eine Sprecherin des Automobilclubs. Dennoch seien weiterhin Anstrengungen notwendig, um die Verkehrssicherheit auch bei zunehmender Mobilität zu verbessern.

"Die Zahlen sind kein Grund zum Jubeln", meinte Unfallforscher Siegfried Brockmann. Mehr als 3000 Todesopfer seien immer noch ein dringender Appell für mehr Sicherheit auf der Straße.

Die Schätzung der Statistiker für 2019 basiert auf den Zahlen des ersten Dreivierteljahres und kann deutlich von der endgültigen Jahresbilanz abweichen, die voraussichtlich im Februar veröffentlicht wird. Dann wird auch bekanntgegeben, wer besonders betroffen ist: Autofahrer, Fußgänger, Fahrrad- oder Motorradfahrer.

Laut den Prognosen des Bundesamts könnte die Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle 2019 leicht ansteigen und erneut bei mehr als 2,6 Millionen liegen. Das sind im Schnitt über 7100 Unfälle am Tag. Den Schätzungen zufolge werden die Unfälle mit Verletzten oder Toten um rund drei Prozent auf etwa 300.000 zurückgehen. Dagegen könnten die Unfälle mit ausschließlich Sachschaden leicht auf 2,3 Millionen steigen. Inwiefern sich die neuen E-Scooter auf die Unfallzahlen auswirken, sei noch nicht bekannt, erklärten die Statistiker. Die Tretroller mit Elektroantrieb sind seit Frühsommer hierzulande im Einsatz.

Der bisherige Tiefststand der Zahl der Verkehrstoten wurde 2017 mit 3180 Verkehrstoten erreicht. Im vergangenen Jahr gab es dann einen leichten Anstieg auf 3275 Todesopfer. Auf welch niedrigem Niveau die Werte heutzutage – trotz Abweichungen – liegen, zeigt ein Blick auf die Statistik. Anfang der 1950er Jahre gab es – BRD und DDR zusammengerechnet – knapp 8000 Verkehrstote. Mitte der 50er Jahre stieg die Zahl auf rund 14.000. 1970 wurde mit mehr als 21.000 Verkehrstoten der bisherige Spitzenwert erreicht, also fast sieben Mal so viele wie heute.


Seitdem fällt die Kurve – mit kleinen Ausreißern. "Es hat sich viel getan", sagt ein Sprecher des Bundesamts. Dazu gehören eine schnellere und bessere medizinische Versorgung, sicherere Fahrzeuge und eine modernere Infrastruktur, die Unfallschwerpunkte vermeidet. Hinzu kämen Faktoren wie Helmpflicht, Gurtpflicht oder niedrigere Promillegrenzen.

Aber wie kann die Sicherheit noch weiter ausgebaut werden? Unfallforscher Brockmann fordert energische und im Zweifel auch unpopuläre Maßnahmen. Dazu gehörten mehr Kontrollen, höhere Bußgelder und eine bessere Infrastruktur – insbesondere für Radfahrer. (mho)