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Auch das geschrumpfte Yahoo macht Verlust

Der Mitarbeiterabbau hat Yahoo nicht vor Verlusten bewahrt. Im ersten Quartal verlor das Unternehmen 99 Millionen US-Dollar, konnte aber mehr Geld auf die hohe Kante legen.

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So stellt Yahoo Finance den Kursverlauf der Yahoo-Aktie in den letzten zwölf Monaten dar.

(Bild: Yahoo Finance Screenshot)

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Yahoo hat im ersten Quartal 2016 1,087 Milliarden US-Dollar umgesetzt, was ein Rückgang von elf Prozent im Jahresabstand ist. Zieht man vom Umsatz jene Prämien ab, die Yahoo zahlt, um Verkehr auf seine Webseiten zu lenken (TAC), bleibt ein Umsatz von 859 Millionen Dollar. Das stellt gar einen Rückgang von 18 Prozent dar. Das hat Yahoo Dienstagabend mitgeteilt.

Der Nettoverlust beträgt 99 Millionen Dollar. Vor einem Jahr hatte Yahoo noch 21 Millionen Dollar netto verdient, vor zwei Jahren 312 Millionen Dollar. Ende März 2015 zählte Yahoo 11.900 Mitarbeiter, von denen bis Ende März 2016 2.500 gehen mussten. Von 1. bis 19. April hat Yahoo weitere 200 Stellen gestrichen.

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Die 99 Millionen Dollar Nettoverlust sind mehr, als der in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) insgesamt erzielte Umsatz, der auf 77 Millionen Dollar zusammengeschrumpft ist. 862 Millionen Dollar oder 79 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt Yahoo auf den Amerika-Kontinenten, weitere 149 Millionen (14 Prozent) kommen aus Asien und der Pazifikregion samt Australien und Neuseeland. In allen drei Regionen war der Umsatz rückläufig, am stärksten in den Amerikas.

Auch in allen drei Geschäftsbereichen – Werbung bei Suchergebnissen, andere Werbung, Sonstiges – gehen Yahoos Umsätze weiter zurück. Die Clicks auf Reklamelinks bei Suchergebnissen sind um 21 Prozent eingebrochen. Zwar konnte der durchschnittliche Erlös je Click gesteigert werden, doch musste Yahoo auch deutlich höhere Prämien für die Zuführung der User (TAC) zahlen. Unter dem Strich brachte das Suchgeschäft 22 Prozent weniger Umsatz.

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(Bild: Yahoo/iTunes)

Bei der übrigen Werbung ist die Lage nicht so dramatisch: Die Erlöse sind rückläufig, doch wurde häufiger geklickt, so dass sich der Umsatzrückgang auf ein Prozent beschränkte. Dafür sind die Einnahmen aus sonstigen Geschäften gleich um 39 Prozent abgesackt.

Yahoo schafft es auch kaum, am Mobil-Boom zu partizipieren. Der mit Nutzern mobiler Endgeräte erzielte Umsatz ist im Jahresabstand lediglich von 234 Millionen auf 260 Millionen Dollar geklettert. Das kann das Abrutschen bei Desktop-Computern von 873 Millionen auf 774 Millionen Dollar nicht einmal annähernd ausgleichen.

Eine akute Bedrohung für Yahoo besteht nicht. Das Unternehmen konnte im ersten Quartal sogar fast 300 Millionen Dollar zur Seite legen. Dabei halfen eine Steuerrückerstattung in Höhe von 190 Millionen Dollar, sowie der Umstand, dass die Mitarbeiter zum Teil in eigenen Aktien bezahlt werden. Das wirkt sich auf die Barschaft nicht aus. Insgesamt verfügte Yahoo zum 31. März über gut 7,1 Milliarden Dollar in Bar oder Wertpapieren.

Yahoo möchte sein schwächelndes Kerngeschäft verkaufen und sich auf das Verwalten von Beteiligungen, allen voran an Alibaba, konzentrieren. Denn der ursprünglich beabsichtigte Verkauf der Alibaba-Anteile würde mit vielen Milliarden Dollar besteuert werden. Als Favorit für die Übernahme gilt Verizon, das auf Synergien mit dem im Vorjahr übernommenen AOL hofft.

Die Yahoo-Aktie wurde nach Bekanntgabe der Finanzzahlen Dienstagabend am Ende des nachbörslichen Handel um gut ein Prozent teurer gehandelt, als zum Schluss des regulären Handels. Der Quartalsumsatz entspricht fast exakt der durchschnittlichen Erwartung der Finanzanalysten. Und der nicht nach den standardisierten Buchhaltungsregeln berechnete Gewinn je Aktie von acht Cent liegt zwar 42 Prozent unter dem Vorjahreswert, aber immerhin einen Cent über den Erwartungen der Analysten. (ds)