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Auch ein Geburtstag: Die Dateinamenserweiterung .mp3 feiert Zehnjähriges

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Heute, am 14. Juli, vor 10 Jahren einigten sich Forscher am Erlanger Institut für Integrierte Schaltungen darauf, die Dateinamenserweiterung .mp3 für den von ihnen entwickelten ISO Standard IS 11172-3 zu benutzen. Fortan lebte der MPEG Layer 3 mit dem handlichen Kürzel MP3. Ursprünglich hatte man .bit als Endung vorgesehen, um anzuzeigen, dass hier die Bits den Ton machen, doch dieses Kürzel war im System der Dateinamenserweiterungen schon von den Bitmaps des X11-Standards belegt. Also schritt man nach einer internen Abstimmung zur folgenschweren Taufe. Statt Bitplayer und Bitmusik kennt die Welt darum heute MP3-Player, MP3-Hörbücher und Webseiten wie AllofMP3 oder eben den Song about MP3.

Bis heute hat die damals revolutionäre Audiokompression mit Verständnisschwierigkeiten zu kämpfen, weil das beliebte Dateiformat mit dem illegalen Kopieren von geschützter Musik abseits der Privatkopie für den Einsatz im MP3-Player verwechselt wird. So heißt es in manchen Artikeln zum Geburtstag recht drastisch, dass MP3 aus einer Schmuddelecke komme und zunäschst ein anrüchiges Format gewesen sei. Nichts aber lag den Wissenschaftlern ferner, als schlecht riechende Software zu schreiben. So erklärte Karlheinz Brandenburg, seinerzeit Projektleiter des EUREKA-Projektes, das mit der Kodierung für das Digital Audio Broadcasting (DAB) beauftragt war, gegenüber heise online: "Als 'anrüchig' kann ich ein Format, das mittlerweile nicht nur auf allen Computern, sondern in sehr vielen Geräten der Unterhaltungselektronik eingesetzt wird, ganz sicher nicht sehen. Solche Töne haben wir schon lange nicht mehr gehört, ich habe immer gerade von Musikern und Leuten aus der Musikindustrie sehr viel Anerkennung für die Arbeit des Erlanger mp3-Teams gehört." Auf jeden Fall hat das MP3-Format, für das Brandenburg und sein Team auch mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet wurden, zur massenhaften Verbreitung digitaler komprimierter Musik geführt, so das Internet als Verteilmedium für Musik populär gemacht und damit die nächste Revolution in der Musikbranche beziehungsweise bei ihren Vertriebswegen ausgelöst. Bis heute hat das nicht jeder in der Branche als Chance begriffen. (Detlef Borchers) / (jk)

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