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Audi: Aktivfahrwerk schüttelt das private Autokino

Die Ingolstädter lassen die Puppen tanzen und setzen einen A8 für das perfekte Kinoerlebnis via Akivfahrwerk in Bewegung.

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Audi: Aktivfahrwerk fürs private Autokino

Es ist vor allem das eine Fahrzeug auf dem Audi-Stand in der Automobilhalle der CES, aus dem die Menschen mit leuchtenden Augen aussteigen. Sie alle haben eine Demo genossen, die Audi unter dem Projekttitel “Audi Immersive In-Car Entertainment” verpackt hat. Es handelt sich um eine Langversion des Audi A8, bei dem die gesamte Fahrzeugtechnik in den Dienst eines ungewöhnlichen Zieles gestellt wird: Ein möglichst perfektes Filmerlebnis.

Hinter dem Projekt steckt Dr. Andreas Unger aus dem Bereich Zukunftsentwicklung Fahrwerktechnik: “Was ein Aktivfahrwerk eigentlich leisten kann, ist den meisten Kunden gar nicht bewusst”, sagt Unger im c’t-Gespräch. “Wir wollten daher mal ein Setup aufbauen, in dem die Fähigkeiten des Systems sichtbar werden“. Während der leider viel zu kurzen Sequenz mit Action-Szenen der Marvel-Filme Avengers und Captain America wird man auf den Vordersitzen von Aktoren durchgerüttelt oder der Lüftung angeweht, während das Aktivfahrwerk ackert und das 2-Tonnen-Fahrzeug nebst Insassen passend zum Geschehen ordentlich durchschaukelt. Das Videobild ist recht klein auf dem 10-Zoll-Infotainment-Display zu sehen oder recht groß auf einem 98-Zoll-Screen außerhalb des Fahrzeugs.

Während das Aktivfahrwerk im Straßenverkehr zum Beispiel Unebenheiten der Straße ausgleicht um die Fahrzeugkabine ruhig zu halten, geht man hier den umgekehrten Weg. “Wir nutzen für die Demo den maximalen Weg des elektromechanischen Fahrwerks aus”, so Unger. Innerhalb einer halben Sekunde lässt sich der A8 an allen vier Rädern um 8,5 cm absenken oder anheben, um die Karosserie in Bewegung zu versetzen. Der perfekte Sound gehört natürlich auch zum “immersiven” Erleben: Die 23-Lautsprecher des Serienfahrzeugs genügten, um genug Druck und den nötigen Rundumklang zu erzeugen.

Audi-Kino (5 Bilder)

So leer wie auf den offiziellen Pressefotos war es nach dem Messestart nicht mehr. 
(Bild: Audi)

Die Umsetzung des Projektes war eine Herausforderungl, schließlich müssen unterschiedliche Fahrzeugkomponenten synchron zum Filmgeschehen in Bewegung gesetzt werden. Unger und sein Team nutzen eine dSpace MicroAutoBox, um die nötigen Befehle an die beteiligten Steuergeräte zu senden. Die Real-Time-Hardware hängt sich in die interne Fahrzeugkommunikation und emuliert dabei unterschiedliche Bussysteme wie FlexRay, CAN oder LIN um die Aktoren anzusteuern. Eine besondere Herausforderung war das Thema Synchronität: “Wenn sich das Fahrzeug schon kurz vor einer Film-Explosion bewegt, fühlt sich der Effekt für den Passagier seltsam an”.

Die eigentlichen Befehle erhält die MicroAutoBox von einem Gaming-Notebook im Kofferraum, dass die Videowiedergabe übernimmt und die auf 5 Millisekunden durchgetakteten Steuerbefehle abfeuert. 27 unterschiedliche Effektkanäle werden für die Demo bespielt, neben den Fahrwerksmotoren noch die Lüftung, Farb-LEDs im Fahrzeug und 20 Vibrationsmotoren, die in den Vordersitzen eingearbeitet sind. Diese stecken normalerweise nicht im A8: “Wir können die Sitze mit Hilfe der Zusatzaktoren gezielt in vier unterschiedlichen Bereichen in Schwingungen versetzen”, erklärt Unger.

Eine AutoBox von dSpace (mitte) spricht die Fahrzeugkomponenten über ihr jeweiliges BUS-Systeme an. Das Gaming-Notebook gibt das Video nebst passender Effekt aus.

Die exakte Orchestrierung passend zum Filmgeschehen erledigten die Ingenieure von Hand. Dafür wurde ein Authoring-Tool programmiert, in dem man die einzelnen Komponenten ähnlich der Spuren einer Schnittsoftware ansteuern kann. Der Luftstrom bei einer Flugszene musste beispielsweise 5 Sekunden vor dem betreffenden Video-Frame eingeleitet werden, um den passenden Effekt zu erzielen. Es ist manchmal ganz schön aufwändig, Augen zum Leuchten zu bringen. (sha)