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Auf US-Wahlkampf folgt Kampf um Space Force

Beide US-Parteien sind mit der US-Militärmacht im Weltraum unzufrieden. Präsident Trump will eine Space Force, die Demokraten wollen eher ein Space Corps.

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Eine Hand streckt ein blitzendes Schwert gen Himmel

(Bild: gemeinfrei)

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"Fast jeder meint, dass die Air Force einen lausigen Job in Sachen Weltraum gemacht hat", stellt James Muncy, Experte für US-Weltraumpolitik, fest, "Soll man die Aufgabe der Air Force wegnehmen und eine Space Force (samt eigenem Ministerium) gründen? Oder soll man das abspalten, aber innerhalb des Luftwaffenministeriums behalten, also ein Space Corps gründen? Oder macht man etwas ganz anderes?" Diese Frage wird im US-Kongress heiß diskutiert werden, erwartet Muncy: "Die Demokraten werden heftigen Widerstand leisten."

US-Präsident Donald Trump hat die Einführung einer Space Force befohlen – ohne dafür zuständig zu sein. Die grundsätzliche Entscheidung wie auch die finanzielle Ausstattung obliegen dem Kongress. "Die Space Force könnte eine parteigebundene Frage werden, schon alleine weil die Demokraten gegen Trump sein wollen. Das ist bedauerlich, weil das nicht die Art und Weise ist, wie wir Raumfahrt-Belange entscheiden sollten", sagt Muncy und betont, dass es sowohl für eine separate Space Force als auch für ein dem Luftwaffenministerium zugeordnetes Space Corps gute Argumente gibt.

Muncy arbeitet seit bald vier Jahrzehnten im und für den US-Space-Sektor. In jungen Jahren setzt er sich an seiner Uni für offeneren Zugang zu Computern und neue Lehrmethoden für Informatik ein. Als US-Präsident Ronald Reagan das NASA-Budget kürzen möchte, startet Muncy gemeinsam mit Freunden eine Bürgerinitiative für eine Space Station. Das erregt die Aufmerksamkeit des damaligen Repräsentanten Newt Gingrich, der später republikanischer Fraktionsführer wird und heutig Trump berät.

Gingrich stellt Muncy ein, der ihm hilft, den ersten Klub weltraumbewegter Abgeordneter beider Parteien zu Gründen ("Space Caucus"). In der Folge wechselt Muncy sogar zu Reagan ins Weiße Haus und beeinflusst von dort die US-Weltraumpolitik. Später macht sich Muncy um die Förderung der kommerziellen US-Raumfahrt verdient. Seit der Jahrtausendenwende hilft er solchen Unternehmen dabei, sich im Dickicht von Regulierungen und Ausschreibungen zurechtzufinden.

James Muncy hat in Alexandria, Virginia, gewählt, wo er nur etwa sieben Entscheidungen in der Wahlzelle zu treffen hatte. Die meisten US-Wähler hatten deutlich mehr Arbeit.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

heise online hat Muncy diese Woche kurz nach den US-Wahlen in Washington zum Interview getroffen. Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch so viel lässt sich schon sagen: Die Republikaner konnten ihre Mehrheit im Senat ausbauen, haben aber die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten verloren.

Einzelne Abgeordnete haben großen Einfluss auf die NASA

"Details zur Weltraum-Politik werden wir nicht vor (dem Amtsantritt des neuen Kongresses im neuen Jahr) wissen", schickte der Amerikaner voraus, "Wer wird Vorsitzender welchen Ausschusses? Wer wird jeweils der führende Vertreter der anderen Partei? Zu viel ist noch in der Schwebe. Wir wissen nicht, ob der (demokratische Senator Bill Nelson) wiederkommen wird. Wir wissen nicht, ob der (republikanische Repräsentant Dana) Rohrabacher wiederkommen wird." Beide sind weltraumbegeisterte Abgeordnete, die nach aktuellem Stand ihre Wahlen knapp verloren haben.

Und solche lokalen Entscheidungen können im US-System erstaunlich viel bewirken. Die mühsame Methode zur Erstellung des jährlichen US-Budgets verleiht den führenden Mitgliedern einzelner (Unter-)Ausschüsse im US-Kongress überproportionalen Einfluss.

Beispielsweise kommt der republikanische Vorsitzende des Budgetausschusses im US-Senat, Richard Shelby, aus Alabama. Dort befindet sich das Marshall Space Flight Center der NASA. Da überrascht es nicht, dass Shelby diesem Teil der NASA, zu dem auch das Raketenprogramm SLS (Space Launch System) gehört, eine gute Dotierung zu sichern sucht. "Shelby hasst (das private Raumfahrtunternehmen) SpaceX", verrät Muncy, "Weil es eine Bedrohung für das NASA-eigene Raketenprogramm ist." SpaceX werde fast gleich viel Fracht wesentlich günstiger ins All schießen können als die NASA mit dem SLS.

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