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Auf dem Weg zu ICANN II

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Mit komfortabler Mehrheit und gegen die Stimmen von Andy Müller-Maguhn, Karl Auerbauch und Rob Blokzijl verabschiedeten die Direktoren der Internet-Verwaltung und DNS-Aufsicht Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) am heutigen Donnerstag in Shanghai die neue Satzung für die Namens- und Nummernverwaltung. Die Entscheidung für die Umstrukturierung bedeutet unter anderem das Ende der von den Internet-Nutzern gewählten Direktoren (At-large-Direktoren) und der Protocoll Supporting Organization (PSO).

Müller-Maguhn setzte sich mit der Offenlegung finanzieller Zuwendungen für die ICANN und einer Initiative für ein eigens Privacy-Fragen gewidmetem Gremiums innerhalb der ICANN durch. Einen kleinen Erfolg können die Aktivisten der Nutzerbeteiligung an der ICANN mit einem Beobachterstatus innerhalb der gNSO, dem künftigen Gremium für generische Top Level Domains (gTLDs), verzeichnen. In einer Entscheidung in letzter Minute votierten die Direktoren der ICANN überraschend auch für ein "Governance Committee", das die Performance des Vorstands, die Einhaltung der Satzung und die Arbeit des Büros in Marina del Rey besser kontrollierbar machen soll.

Dieses von ICANN-Direktorin Linda Wilson vorgestellte "Governance Committee" könnte sich ab dem kommenden Jahr mit "internen Problemen im Verantwortungsbereich des Geschäftsführers" befassen, um damit Dinge im Vorstand klarzustellen und zu analysieren, bevor sie die Vorstandsmitglieder als "Anekdoten" aus den Reihen der Mitgliedschaft erreichen, sagte Wilson: "Besonders damit es möglich ist, zwischen systematischen Problemen, chronischen Problemen, isolierten Problemen und Mythen zu unterscheiden." Die Aktion ist ganz offensichtlich gegen die ungleiche Machtverteilung zwischen Vorstand und Angestellten gerichtet. Vorstandsmitglied Amadeu Abril i Abril sagte, dabei müsse auch die Art und Weise überprüft werden, in der ICANN Komitees besetze.

Die ICANN hat eine Vorliebe für handverlesene Komitees gezeigt und damit immer wieder die eigenen Gremien in Rage versetzt. Das für die neue Satzung verantwortliche Evolution and Reform Committee (ERC) hatte etwa selbst ausgewählt, wer von Seiten der Länderregistries die Reformdebatte begleiten sollte. Diese ccTLD-Verwalter hatten sich davon in Shanghai klar distanziert. In der neuen Satzung fehlt ihre künftige ICANN-Vertretung daher noch komplett.

"Die neue Satzung hat noch eine Reihe weißer Flecken", sagte ICANN-CEO Stuart Lynn. Sie sollen bis zum Jahrestreffen im Dezember möglichst gefüllt werden. Den Ärger der Regional Internet Registries (RIR) über ICANN brachte noch einmal Rob Blokzijl, ICANN-Direktor und Vorsitzender der europäischen IP-Registry RIPE, auf den Tisch. Blokzijl wollte die RIRs ebenfalls vorerst komplett aus der Satzung streichen. "Bevor wir keine Vereinbarung haben, sollten wir auch nicht über eine Satzung abstimmen," sagte Blokzijl. Seinem Vorstandskollegen Lyman Chapin gelang es allerdings, in einer knappen Entscheidung, den vom Regierungsbeirat (GAC) gewünschten Beobachter im RIR-Gremium durch die Behauptung des aktuellen Status Quo zu verhindern.

Vor dem wachsenden Einfluss der Regierungen warnten vor allem die beiden asiatischen Vertreter im Vorstand. Der für Asien gewählte Masanobu Katoh nannte die Auflagen des GAC eine beträchtliche Belastung für die zukünftige Arbeit. Der koreanische Direktor Sang-Hyong Kyong warnte entschieden davor, dass es leicht sei, "praktisch alles was ICANN tut, als Public Policy zu bezeichnen". Was damit auf ICANN zukommt, sei völlig unabsehbar und er erinnerte auch daran, dass derzeit nur ein Teil der internationalen Regierungen überhaupt im Vorstand vertreten sind. Genau auf diesen Umstand -- und die eigene größere Repräsentationsfähigkeit -- verweist gerne auch die International Telecommunication Union (ITU). Die ITU wird sich vermutlich auch beim neuen GAC-Sekretariat in Brüssel engagieren. (Monika Ermert) / (jk)