Auf den Stuhl, denn es gibt viel zu sagen

Heraus zum 1. Mai! In Berlin startete die Wanderausstellung "Anything to say", die auf die missliche Lage von Whistleblowern und die Bedrohung der Meinungsfreiheit aufmerksam machen will.

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Von
  • Detlef Borchers

Mit einer kleinen Mai-Demonstration für Meinungsfreiheit und Whistleblower-Schutz haben Reporter ohne Grenzen, die Courage Foundation und die frisch gegründete Berliner Initiative Code Red die Enthüllung einer Whistleblower-Skulptur auf dem Berliner Alexanderplatz begleitet. Anything to say, das Werk des italienischen Bildhauers Davide Dormino, zeigt Edward Snowden, Julian Assange und Bradley Manning auf einem Stuhl stehend. Ein vierter Stuhl ist frei für Jedermann, der etwas zu sagen hat. Mit der Enthüllung in Berlin geht das Skulpturenensemble auf Welttournee.

Michael Rediske von Reporter ohne Grenzen betonte in seiner Rede, dass guter Journalismus auf Meinungsfreiheit und Informationsfreiheit gründet. Ohne Informationen von mutigen Whistleblowern wie Edward Snowden könne Journalismus seiner aufklärenden Pflicht nicht nachkommen. "Alles, was Snowden uns gegeben hat, ist wahr, kein einziger Teil der Information hat sich als Lüge herausgestellt", betonte Hans-Christian Stroebele, einer der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss. Er forderte die Offenlegung aller Selektoren und Zielvorgaben, mit denen die NSA Material vom deutschen Bundesnachrichtendienst anforderte, und einen wirksamen Schutz der Whistleblower.

Anything to say (5 Bilder)

Vor der Enthüllung

Sarah Harrison von der Courage Foundation wies darauf hin, dass jeder Whistleblower sein kann und jede Stimme wichtig sei, wenn es darum geht, unterdrückte Informationen zu verbreiten. "Share the Courage!" Die Whistleblowerin Annie Machon von Code Red, die in den 90er Jahren illegale Aktionen des britischen Geheimdienstes MI5 ans Licht der Öffentlichkeit brachte, klagte die Geheimdienste aller Welt an, Whistleblower härter denn je zu verfolgen. Es sei für potenzielle Aussteiger viel härter und gefährlicher geworden, Interna weiterzugeben. Als erste anonyme "Whistleblowerin" abseits der offiziellen Rednerliste bestieg eine junge Frau den Stuhl und dankte Berlin und Deutschland dafür, bei der Aufklärung der NSA-Taten so hartnäckig am Ball geblieben zu sein.

"Anything to say" wird in den nächsten Wochen in der Berliner UFA-Fabrik zu sehen sein, ehe das Skulpturenensemble nach Dresden transportiert wird. Dort wird es Teil der Ostrale sein, die unter dem Motto "Handle with Care" das Thema "Maßlosigkeit, Habgier und Verschwendung" beleuchtet. Weiter demonstrative Aufenthalte sind in Amsterdam, Paris und London geplant, dann geht es in die USA. Berlin wurde als Start der Tournee gewählt, weil es mit hier lebenden Personen wie Sarah Harrison, Jacob Appelbaum und Annie Machon so etwas wie die Hauptstadt der Whistleblower geworden sei, meinte der Künstler Davide Dormino. (ps)