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Auf der Spur der Kundendaten

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Deutsche Bürger haben nach dem Bundesdatenschutzgesetz das Recht auf Auskunft darüber, welche Daten Unternehmen über sie speichern und was sie damit machen. Journalisten vom Radiosender hr-Info haben dieses Recht genutzt und im Laufe eines halben Jahres recherchiert, was eigentlich mit ihren persönlichen Daten passiert.

Ein kleiner Einblick in den Datendschungel

(Bild: hr-INFO)

Mit einem Musterbrief des Bundeszentrale Verbraucherverbands wandten sich die Rechercheure zunächst an sechs Unternehmen. Im Laufe der sechsmonatigen Recherche wuchs das Netzwerk der entdeckten Firmen, die persönlichen Daten der Journalisten besitzen und weitergeben, auf immerhin 20 an. "Viele Firmen kennen mich – und auch solche, die ich selber gar nicht kenne", resümiert der Redakteur Henning Steiner gegenüber heise online seine Erfahrungen. "Das Bedürfnis, die Kunden aufzuklären, ist nicht besonders groß", betont Steiner dabei. Zwar gebe es auch Unternehmen, die sehr zügig antworteten, doch meist sei es sehr aufwendig gewesen, die Auskünfte zu erhalten. Zudem seien die Informationen mitunter sehr lückenhaft gewesen.

Ebenfalls überraschte ihn, wie viel sich selbst aus scheinbar harmlosen Fakten schließen lässt, wenn sie mit zusätzlichen statistischem Material angereichert werden. "Männer, die Henning heißen, sind statistisch gesehen zwischen 35 und 40 Jahren und das passt auch in meinem Fall." Das gehe so weit, dass Auskunfteien nur anhand des Namens und der Adresse die Kreditwürdigkeit einschätzten. Generell werden diese sogenannten Scoring-Verfahren bereit seit längerem von Datenschützern hart kritisiert.

Aufschlussreich sei auch das Experiment mit den rund 40 Seiten an gesammelten Daten gewesen, die Amazon auf Anfrage herausgab: Ein E-Marketing-Experte, dem diese vorgelegt wurden, konnte damit viele komplett oder fast zutreffende Annahme machen – etwa über das Berufsfeld des Vaters des Betreffenden.

Eine echte Chance, den Fluss seiner Daten zu kontrollieren, habe der Verbraucher eigentlich nicht, findet Steiner. Hessens Datenschutzbeauftragter Professor Michael Ronellenfitsch teilt diese Ansicht. "Es ist unmöglich, sich einen Überblick über seine Daten zu verschaffen", zitiert hr-Info den Datenschützer. Das vor drei Jahren im Paragraph 34 des Bundesdatenschutzgesetzes eingeführte Auskunftsrecht sei auch teilweise unpräzise formuliert, so dass es keine Standards für den Inhalt einer solchen Auskunft schaffe.

Am heutigen Mittwochabend veranstaltet hr-Info eine Diskussionsrunde zu dem Thema, bei der neben Ronellenfitsch auch Vertreter aus Auskunfteien und der Marketingbranche vertreten sein werden, unter anderem der Präsident des deutschen Dialogmarketingverbands (DDV) Dieter Weng. Die Diskussion beginnt ab 18:30 Uhr lässt sich per Livestream verfolgen. Die Reihe "Der geschätzte Kunde" läuft noch bis zum 5. Juli morgens und abends auf hr-Info. (axk)

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