Menü

Aufstand in der KPNQwest-Netzwerkzentrale [Update]

Beim insolventen IP-Dienstleister KPNQwest geht es offenbar weiterhin drunter und drüber: Aus dem Brüsseler Network Operation Center (NOC) des holländischen Carriers wird gemeldet, dass einige gefeuerte Mitarbeiter die Leitzentrale für das Glasfaser-Netz -- den Euroring -- besetzt haben.

Bei den Besetzern handelt es sich um ehemalige Administratoren des im März von KPNQwest akquirierten westeuropäischen Ebone-Netzes, die für die Aufrechterhaltung ihres Netzwerks kämpfen. Mittlerweile finden Gespräche mit den Medien und Regierungsvertretern statt, außerdem haben die Mitarbeiter eine Live-Cam installiert.

Anzeige

"Now's the time to start shouting to the newspapers as Europe's largest backbone is under great threat of being shut down", schreiben die Besetzer in einer Erklärung. Nach Informationen von heise online hatten die Mitarbeiter am gestrigen Donnerstag ebenfalls ihre Kündigung erhalten und waren aufgefordert worden, das NOC zu verlassen. Doch die Ex-Ebone-Administratoren wollten nach eigenen Aussagen ihren Kundenstamm nicht im Stich lassen.

US-amerikanische und britische Medien wollen derweil von einem neuen Ultimatum zur Abschaltung des Netzwerks erfahren haben. So berichtet etwa die Financial Times in ihrer heutigen Ausgabe, dass die niederländischen Insolvenzverwalter große KPNQwest-Kunden ultimativ aufgefordert haben, ihre offenen Rechnungen bis zum kommenden Montag zu begleichen, ansonsten werde der Glasfaser-Ring heruntergefahren. Wenn die Großkunden endlich zahlen würden, kämen 50 Millionen Euro in die Kasse. Nur dann könne der Betrieb weiter gesichert werden.

Die Hoffnung sei jedenfalls gewachsen, den Betrieb doch noch für einige Zeit aufrecht erhalten zu können: Einige große Kunden und Lieferanten hätten positiv auf den Appell reagiert, Rechnungen schnell zu bezahlen und selbst vorerst keine Rechnungen vorzulegen, sagte am Freitag ein Unternehmenssprecher. Der Konkursverwalter will am Montagabend entscheiden, ob das Echo der Kunden und Lieferanten auf den Appell ausreicht, um den Anbieter von Datenkommunikationsdiensten im Geschäft zu lassen. Sollte dies nicht der Fall sein, werde KPNQwest sofort abgeschaltet. Die Unternehmen, die bis dahin mit Zahlungen auf den Appell reagiert haben, sollen dann ihr Geld zurück erhalten.

Gestern hat auch die österreichische KPNQwest-Gesellschaft Konkurs angemeldet. Die Geschäftsführung betonte, dass der Konkurs unvermeidlich gewesen war, weil man am Tropf des Mutterkonzerns hänge, obwohl die österreichische Gesellschaft für sich genommen profitabel arbeite. Man beabsichtige "jedoch nach wie vor eine Fortführung, eventuell unter Einbeziehung von Finanzinvestoren".

In Deutschland erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Ulrich Bert gestern den Mitarbeitern von KPNQwest Germany die neue Situation. Pläne für Entlassungen gäbe es noch nicht, vorerst können die Gehälter der 149 Mitarbeiter bezahlt und die Geschäfte weitergeführt werden. Die deutsche KPNQwest-Gesellschaft versucht derzeit, sich möglichst schnell vom Tropf der niederländischen Mutter zu befreien. "Die Buchhaltung, das Billing und auch die Infrastruktur wie etwa die Mailserver werden gerade nach Deutschland geholt", bestätigte Firmensprecher Thilo Huys gegenüber heise online.

Es sei beabsichtigt, auch das hiesige Euroring-Segment, also den Ring 3, in die Obhut der deutschen Firma zu überführen. Nach Informationen von heise online lenkt KPNQwest Deutschland den IP-Traffic seiner Kunden seit einigen Tagen dennoch vom Euroring weg zu neuen Upstream-Partnern. Man traut den Versprechungen der niederländischen Manager, nach denen der Betrieb des Glasfaser-Netzes für mindestens vier Wochen gesichert sei, offenbar selbst nicht so ganz.

Zur Situation bei KPNQwest siehe auch:

There’s an English article about KPNQwest’s bankruptcy available with some background information from prior German articles: KPNQwest Files For Bankruptcy. (hob)

Anzeige