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Aufstieg und Fall der AEG: Nur die drei Buchstaben haben überlebt

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Im Haushalt sind die berühmten drei roten Buchstaben nicht mehr wegzudenken: AEG. Die Marke ist laut Umfragen auch heute noch die Nummer eins bei den deutschen Konsumenten, wenn es um Hausgeräte geht – noch vor Bauknecht, Bosch und Siemens. Um die 40 Unternehmen schlagen aus den Buchstaben Kapital. Die Palette reicht vom Edelstahlherd über den Haartrockner und die Bohrmaschine bis hin zum schnurlosen Telefon und zur Straßenleuchte. Über 100 Produkte bringen jedes Jahr mehrere Milliarden Euro Umsatz. Doch die wenigsten Verbraucher wissen, dass sich hinter dem Namen AEG kein Konzern mehr verbirgt. Vor genau 10 Jahren, am 5. Juni 1996 ging in Frankfurt die Ära des deutschen Traditionsunternehmens zu Ende, das die Industriegeschichte eines ganzen Jahrhunderts prägte.

"Die Marke AEG ist emotional aufgeladen und positiv besetzt", erklärt Martin Ruppmann, Sprecher des Markenverbandes, den anhaltenden Erfolg der Marke. Der Werbeslogan "AEG – aus Erfahrung gut" sei vielen Konsumenten noch im Ohr. "Entscheidend ist die Qualität – da ist es egal, ob die Produkte in Deutschland vom Band laufen oder anderswo." Der AEG-Standort Nürnberg mit seiner Hausgeräte-Produktion und 1750 Beschäftigten wird bis 2007 geschlossen, weil der schwedische Mutterkonzern Electrolux die Herstellung ins billige Polen verlagert – als vorerst letztes Kapitel eines unvergleichlichen Niedergangs.

Die Geschichte der AEG begann 1883 in Berlin, als Emil Rathenau die Patente an den Erfindungen Thomas Edisons für Glühlampen in Deutschland erwarb. Sein Unternehmen taufte er vier Jahre später in "Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft" um – die AEG war geboren. In der Zeit der Industrialisierung und des Elektrifizierens wuchs AEG rasend schnell und baute Flugzeuge, Bügeleisen, Lokomotiven, Kraftwerke und Tonbandgeräte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang ein rascher Wiederaufbau, und die AEG-Zentrale wurde nach Frankfurt verlegt. Nach dem Zusammenschluss mit Telefunken stand die AEG 1970 mit 178.000 Mitarbeitern an zwölfter Stelle der Weltrangliste der größten Elektrounternehmen. Waschvollautomaten ("Lavamat") und Schreibmaschinen ("Olympia") wurden berühmt.

Doch im Wettrennen mit dem Konkurrenten Siemens kaufte AEG mit geliehenen Geldern zahlreiche Firmen überteuert auf, die Verschuldung wuchs. Mit dem Ölpreisschock und der folgenden Weltwirtschaftskrise in den 70er-Jahren begann der Absturz, beschleunigt durch Managementfehler. 1982 stand AEG-Telefunken vor dem Konkurs. "Die Geschichte der AEG zeigt, dass auch große Unternehmen sterben könne, vor allem dann, wenn sie aus ihrer Geschichte keine Lehren ziehen", schreibt der langjährige Leiter der AEG-Öffentlichkeitsarbeit, Peter Strunk, in seinem Buch über die Konzerngeschichte. Schwaches Management und Pech führten zum Desaster.

Der Einstieg des Autobauers Daimler-Benz 1985 brachte nur vorübergehend Besserung. Der Autohersteller verabschiedete sich bald wieder von seiner Vision eines multinationalen Technikkonzerns. 1994 wurde eine Sparte, die AEG Haushaltsgeräte GmbH mit dem Stammwerk in Nürnberg, an die schwedische Electrolux verkauft. Die Hauptversammlung von Daimler-Benz beschloss Anfang Juni 1996 die Auflösung des verlustträchtigen Konzerns AEG, der abgewickelt wurde. Nach 113 Jahren ging das Unternehmen AEG durch Verschmelzung mit der damaligen Daimler-Benz AG unter. Die Konzernzentrale in Frankfurt wurde 1999 gesprengt. Heute erinnert in Frankfurt nichts mehr an das einstige Weltunternehmen. "Kein Kommentar", heißt es selbst bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.

Nur der Markenname blieb. Heute ist der schwedische Konzern der Inhaber aller Rechte an der Marke AEG, die Lizenznehmer vertreiben. Electrolux hat den Namen auch in die Doppelmarke Electrolux-AEG eingebracht. "Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1,25 Millionen Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner verkauft", sagt ein Electrolux-Sprecher. Wegen der Tradition und der Stärke werde man die Marke AEG auf jeden Fall behalten – auch wenn das Firmenschild künftig in Polen an die Geräte geschraubt wird. (Marion Trimborn, dpa) / (Marion Trimborn, dpa) / (bo)

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