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Auftakt für VDSL-Kooperation von Vodafone und Telekom

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So arbeiten Telekom und Vodafone bei VDSL zusammen.

(Bild: Vodafone)

Heilbronn soll ab Herbst mit 50 MBit/s über ein VDSL-Netz surfen können, das der Telekom-Konkurrent Vodafone aufbaut. Ganz Heilbronn? Nur fast, denn die Stadtteile Biberach und Kirchhausen werden nicht angeschlossen, weil sie einem anderen Vorwahlbereich angehören. Doch können solche Petitessen die Aufbruchstimmung kaum trüben, die Vertreter von Politik und Wirtschaft zum Auftakt dieses VDSL-Pilotprojekts am heutigen Donnerstag in der Neckarstadt verbreiten wollen. Das schon Ende vergangenen Jahres angekündigte Projekt ist für Vodafone vor allem ein Test, ob der politisch gewollte Infrastrukturausbau in Kooperation mit dem ewigen Rivalen Telekom gelingt.

Der Mobilfunker, mit der Komplettübernahme von Arcor auch Festnetzbetreiber, will sich nicht auf den Wiederverkauf von Telekom-VDSL beschränken, über dessen Konditionen sich die Partner in dieser Woche einig wurden. Auch die Bundespolitik schaut nach Heilbronn, wo sich Vodafone erstmals auf VDSL-Terrain wagt. Kooperationen wie die in der Neckarstadt sind dringend erforderlich, will die Bundesregierung ihre ambitionierten Breitband-Ziele verwirklicht sehen. Bis Ende kommenden Jahres sollen alle Bundesbürger mit 1 MBit/s versorgt werden, ab 2014 sollen in drei Vierteln der Haushalte sogar 50 MBit/s anliegen.

Vodafone VDSL-Pilot in Heilbronn (4 Bilder)

Startschuss

Stephan Gammersbach von der Telekom, Heilbronns OB Helmut Himmelsbach, Vodafone-Netzchef Georg Benzer und Staatssekretär Richard Drautz (v.l.) drücken den symbolischen roten Knopf. (Bild: Volker Weber)

Das Heilbronner Stadtoberhaupt freut sich über den Fortschritt, auch wenn nur fünf der sieben Stadtteile in den Genuss von VDSL kommen. Der Wirtschaftsstandort Heilbronn brauche einen schnelle Anbindung, betont der parteilose Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, wünscht sich aber die Berücksichtigung von mehr als einer Vorwahl. Auch Richard Drautz stellt die Bedeutung der Breitbandinfrastruktur für die Wirtschaftskraft heraus. "Hier in meiner Heimatstadt wird Geschichte geschrieben", sagt der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg im Hinblick auf die Kooperation der beiden Festnetz-Kontrahenten. Geschätzte 50 Milliarden Euro müssten in den Breitbandausbau investiert werden, das könne kein Unternehmen alleine stemmen.

"Wir sind bereit, diese Investitionen voranzutreiben", sagt Vodafones Netz-Chef Georg Benzer. Mit dem Piloten in der Neckarstadt will das Unternehmen Lösungen für einen möglichst effektiven Ausbau der VDSL-Technologie testen. Dafür baut Vodafone sogenannte Multifunktionsgehäuse (MFG) auf, die zwischen den Kabelverzweigern und den Hauptverteilern liegen und die letzte Meile zum Kunden verkürzen. In den MFG können Vodafone und die Telekom aktive Vermittlungstechnik (DSLAM) installieren. Jedes MFG versorgt ein bis drei KVZ und die daran angeschlossenen Kunden. Kunden, die in Reichweite der Telekom-Hauptverteiler wohnen, werden direkt an die dortigen Indoor-DSLAMs angeschlossen.

Im Gegenzug erhält Vodafone Zugang zu MFG, die die Telekom in Würzburg betreibt, und kann dort eigene DSLAMs installieren. Über den gegenseitigen Netzzugang können beide Anbieter VDSL in zwei Gemeinden mit je rund 50.000 Haushalten vermarkten. Die Anbindung der MFG an die Verteilernetze erfolgt je nach lokalen Gegebenheiten über eigene Infrastruktur, beide Partner gewähren sich hier gegenseitig Zugriff auf Glasfaserstränge oder Leerrohre. Für Vodafone kann das nur der Anfang sein; der Konzern will weiter reichenden Zugang zur Telekom-Infrastruktur. "Wir brauchen unbedingt Zugang zu diesen Verteilerkästen", sagt Benzer.

Bis dahin werden dem Pilotversuch in Heilbronn und Würzburg erstmal keine Projekte nachfolgen. Vodafone drängt auf eine Einigung über den "flächendeckenden Zugang" zu Leerrohren, Zuleitungen und Verteilerkästen der Telekom. Das von Heilbronn ein Aufbruchsignal für offeneren Wettbewerb ausgehen könnte, hofft auch Staatssekretär Drautz: "Es geht um faire Zugangsbedingungen". Friedrich Joussen ist da skeptischer. "Monopolstrukturen, wie wir sie jetzt im VDSL-Bereich erleben, bremsen Fortschritt und Investitionen", betont der Vodafone-Deutschlandchef. Die Einigung über VDSL-Resale ist für die Düsseldorfer zwar ein Schritt in die richtige Richtung, dürfe aber nicht der letzte bleiben – sonst werde langfristig das Monopol der Telekom gefestigt. (vowe/c't) / (vbr)

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