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Augmented Reality: Air Force verbietet Ingress

Soldaten und Mitarbeiter in einem Stützpunkt müssen auf Augmented-Reality-Spiele verzichten. Die kuriose Begründung: Terroristen könnten sich als Spieler tarnen.

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Die Schriever Airforce Base in Ingress

(Bild: Torsten Kleinz / heise online)

Ingress-Spieler ziehen immer wieder Aufmerksamkeit auf sich: Wer bei Googles Augmented-Reality-Spiel Punkte machen will, hält sich oft an ungewöhnlichen Orten auf und führt mit seinem Smartphone kurios erscheinende Routinen aus, um für Nicht-Spieler unsichtbare "Portale" zu erobern und zu vernetzen. So gibt es Berichte von Spielern, die von der Polizei festgehalten wurden, bis sie ihren Zeitvertreib erklären konnten.

Ausgerechnet am Schriever Airforce Base wurde das Spiel nun verboten. Der Stützpunkt ist das Hauptquartier des 50:Space Wing der amerikanischen Air Force, der unter anderem den Betrieb der Satellitennavigation GPS für die US-Streitkräfte unterstützt. Das mit GPS arbeitende Spiel Ingress wurde untersagt, da es ein "substantielles Sicherheitsrisiko" für den Militärstandort darstelle. Der Kommandeur des Stützpunkts, William Liquori, verbot vorsorglich auch alle anderen Augmented-Reality-Spiele.

Auf das Spiel aufmerksam wurde die Militärverwaltung, als Wachsoldaten im April diesen Jahres einen Ingress-Spieler bemerkten, der ein World-Trade-Center-Mahnmal außerhalb des Stützpunktes zu fotografieren schien. Der Mann wurde von einer Militärpatrouille angesprochen und berichtete den Soldaten von dem Google-Spiel. Der Bericht arbeitete sich über ein halbes Jahr durch die Militärränge nach oben und führte nun zu dem Verbot. Angehörigen des Militärstützpunkts dürfen Ingress weder selbst spielen noch andere Spieler auf den Stützpunkt lassen. Dazu besteht freilich auch kein Anlass: Laut der "Ingress Intel Map" ist innerhalb des Stützpunktes kein einziges Portal.

Senior Airman Nayibe Ramos beim GPS-Betrieb auf der Schriever Airforce Base

(Bild: Airman 1st Class Mike Meares )

Trotz der monatelangen Ermittlungen und dem Austausch mit anderen Behörden liest sich die Begründung für das Verbot sehr dünn: "Das Spiel kann als Tarnung für die Observation eines potenziellen Terror-Ziels dienen", heißt es in der öffentlichen Mitteilung des Stützpunktes. Auch das Spielprinzip haben die Militärangehörigen nicht ganz verstanden: Sie gehen davon aus, dass Ingress- Spieler die Portale immer wieder fotografieren und sogar Videomaterial erstellen müssen – dabei muss jedes Portal nur einmal fotografiert werden.

Auf Fotos reagieren US-Behörden schon lange allergisch: So gibt es in den letzten Jahren immer wieder Berichte, dass Passanten und sogar Journalisten von Sicherheitskräften daran gehindert werden, von öffentlichem Grund aus Fotos von Regierungseinrichtungen zu machen. Aktivisten wie der Künstler Trevor Paglen machen es sich deshalb zum Ziel, gerade die geheimsten Einrichtungen von Militär und Geheimdiensten öffentlich zu dokumentieren. (jk)