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Aus EUnet wird Uunet

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Eunet Deutschland GmbH wurde am 1. September in Uunet umbenannt. Damit geht ein Stück deutscher erfolgreicher Providergeschichte zu Ende. 1992 war Eunet aus einem Drittmittelprojekt an der Universität Dortmund hervorgegangen und konnte sich neben dem Mitbewerber Xlink als führender Anbieter von Internetdiensten in Deutschland schnell profilieren. Im November 1996 erwarb der US-amerikanische Provider Uunet, das Internet-Unternehmen des viertgrößten US-amerikanischen Telekommunikationskonzerns Worldcom, 100 Prozent an Eunet. Über die genaueren Umstände des Verkaufs schweigt sich die Unternehmensleitung bis heute aus. Offiziell wird die Umbenennung von Eunet in Uunet unter dem Schlagwort „Globalisierung" vertreten.

Den Amerikanern geht es vor allem darum, in Deutschland Fuß zu fassen. Angesichts der eher mäßig wachsenden Nutzerzahlen in Deutschland hat der Eigentumserwerb vor allem strategische Gründe. Optimistisch geht die Unternehmensleitung jedoch von einer Verfünffachung des direkten Internetzugriffs bis zum Jahr 2000 aus. Demnach nutzen derzeit rund 3,9 Millionen einen direkten Zugang, im Jahre 2000 sollen es bereits 12,3 Millionen sein. Nach Angaben der Geschäftsführung soll gegenüber 1996 bereits in diesem Jahr der Umsatz auf 48 Mio. Mark verdoppelt werden. Zur Zeit können sich Kunden von Uunet welteit in über 850 Großstädten zum Ortstarif ins Uunet-Netz einloggen.

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Derzeit erfolgt die USA-Anbindung über zwei 45 Mbps Leitungen, die bereits jetzt ausgebaut werden. Die Uunet Deutschland GmbH erhält über den Anschluß an die Netze von Uunet und Worldcom Zugang zu vielversprechenden Kabelprojekten. ULYSSES ist ein pan-europäisches 10 Gbps Glasfaser-Netzwerk, das London, Frankfurt, Paris, Amsterdam und Stockholm verbindet, und das rechtzeitig zum Fall der europäischen Telekommonopole in Betrieb genommen werden soll. Zusammen mit Cable & Wireless wird mit GEMINI eine 10-20 Gbps Verbindung zwischen London-Porthcurno-Greenhill-New York und London-Oxwich Bay-Manesquan-New-York bis Februar 1998 installiert werden. Insgesamt investiert Uunet in den Ausbau seines Netzwerkes weltweit mehr als 300 Millionen US-Dollar - eine Summe, die Eunet nicht hätte aufbringen können.

Uunet Deutschland will bereits im Herbst 1997 Faxdienstleistungen über das Internet anbieten, Internet-Telefonie ist in der Planung. Der Provider, der bisher über 75 Prozent Leitungskapazität bei der Deutschen Telekom anmieten mußte, kann dann über die konzerneigene internationale Leitung in den Wettbewerb einsteigen.

Christiane Schulzki-Haddouti (Christiane Schulzki-Haddouti) / (ame)

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