Aus Sicherheitsgründen: Hohe UN-Vertreter dürfen seit 2019 kein WhatsApp nutzen

Eine Direktive untersagt es dem UN-Generalsekretär und hohen UN-Vertretern, WhatsApp zu benutzen. Das wurde im Zuge der Aufarbeitung des Bezos-Hacks öffentlich.

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(Bild: BigTunaOnline/Shutterstock.com)

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Hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen sind angewiesen, WhatsApp nicht zu benutzen. Das erklärte ein UN-Sprecher auf Nachfrage, wie die Nachrichtenagentur Reuters zusammenfasst.

Hintergrund der Frage waren aktuelle Berichte darüber, dass das Smartphone des Amazon-Chefs und reichsten Manns der Welt, Jeff Bezos, über ein per WhatsApp empfangenes und vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman verschicktes Video gehackt worden ist. Die Nachfrage, ob UN-Generalsekretär António Guterres ebenfalls mit dem Kronprinzen oder anderen hochrangigen Politikern per WhatsApp kommuniziere, habe UN-Sprecher Farhan Haq nun verneint.

Den aktuellen Berichten zufolge war Jeff Bezos als Eigentümer der Washington Post ins Visier der saudischen Führung geraten. Für die Zeitung hatte der Journalist Jamal Kashoggi geschrieben, der im Oktober 2018 in der Botschaft Saudi-Arabiens in Istanbul ermordet wurde. Wie nun bekannt wurde, sind Forensiker nach einer Analyse des iPhones von Jeff Bezos zu der Überzeugung gelangt, dass das Gerät damals bereits mit einer Malware infiziert war, die über eine Datei auf das Gerät gelangt war, die vom persönlichen Account des Kronprinzen gekommen war. Angesichts dessen war auch WhatsApp in den Fokus gerückt, obwohl die mutmaßlich ausgenutzte Sicherheitslücke lange geschlossen ist.

"Leitende UN-Vertreter wurden angewiesen, WhatsApp nicht zu benutzen, weil es nicht als sicherer Übertragungsweg unterstützt wird", erklärte der UN-Sprecher nun. Deswegen gehe er auch davon aus, dass UN-Generalsekretär Guterres die App nicht benutzt. Die Direktive sei bereits im Juni 2019 ausgegeben worden, ergänzte er dem Bericht zufolge noch. Vertreter des zu Facebook gehörenden Dienstes hätten daraufhin erklärt, man versorge mehr als 1,5 Milliarden Nutzer mit modernster Sicherheit. Jede Nachricht werde Ende-zu-Ende verschlüsselt und die Technik sei gemeinsam mit den Machern von Signal entwickelt worden, dass von Experten als bester Messenger eingeschätzt werde.

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Ein Bann, der lediglich WhatsApp trifft, wäre auch deswegen etwas fragwürdig. Unklar ist jedoch, welche Alternativen den UN-Vertretern gegeben wurden. Insgesamt bleibt hervorzuheben, dass das Smartphone von Jeff Bezos mutmaßlich mit einer Malware infiziert wurde, die nicht auf dem freien Markt verfügbar ist und den Kunden pro anzugreifendem Gerät für mehrere 10.000 Dollar verkauft wird. Für den normalen Nutzer sollte solch ein Angriffsszenario kein Problem sein. Für hochrangige Personen, etwa von den Vereinten Nationen oder eben aus der Wirtschaft gilt das aber nicht. Hier können durchaus andere Einschätzungen getroffen werden.

(mho)