Aus den Snowden-Archiven: Israelische Spionage-Drohnen von GCHQ ausspioniert

Unter dem Codenamen "Anarchist" hat der britische Geheimdienst GCHQ Bildaufnahmen von israelischen Drohnen abgefangen und entschlüsselt. Darunter befinden sich Aufnahmen der Drohne Heron TP, die die Bundeswehr künftig leasen will.

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Die Heron 1 (Bild) wird seit Anfang 2010 von der Bundeswehr genutzt. Die Heron TP ist eine Weiterentwicklung der Heron 1.

(Bild: Heron 1; von DLR, CC-BY 3.0 )

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Im Fundus der Snowden-Files wurden Dokumente und Videosequenzen des britischen GCHQ gefunden, die belegen, dass der britische Auslandsgeheimdienst von seiner Abhörstation im zypriotischen Troodos-Gebirge Signale israelischer Drohnen abgreifen und dekodieren konnte. Die vom GCHQ mitgeschnittenen Aufklärungsbilder stammen von kleinen Drohnen der Hermes-Klasse, aber auch von der bewaffnungsfähigen Heron TP, für deren Leasing sich das Verteidigungsministerium entschiedehn hat. Auf den vom GCHQ mitgeschnittenen Heron-Bildern ist jedoch nicht zu erkennen, ob diese Drohnen Waffen tragen.

Unter dem Titel "Astro Noise" will die Filmemacherin Laura Poitras ("Citizenfour") ab dem 9. Februar einige dieser Drohnen-Bilder in New York ausstellen. Aus dem unerschöpflichen Fundus der Snowden-Dateien hat die amerikanische Enthüllungsseite Intercept insgesamt fünf Dokumente aus einem "Anarchist" genannten Überwachungsprogramm veröffentlicht, die belegen sollen, dass der GCHQ in der Lage ist, die Bilddaten israelischer Drohnen abzufangen und zu dekodieren. Dies soll mit Hilfe des "frei im Internet verfügbaren" Programmes Antisky erfolgt sein, wobei die Daten von der britischen Abhörstation auf Zypern geliefert wurden.

Weitere Bilder von Drohnen-Flügen konnte der GCHQ dank seiner Satelliten-Abhörstation in Menwith Hill aufzeichnen. Dies ist möglich, weil Drohnen über Satelliten-Verbindungen mit ihren Bodenstationen kommunizieren. Nach der Darstellung von Intercept soll sich besonders die NSA und die Obama-Regierung für diese Dateien interessiert haben, weil israelische Drohnen über Syrien zu einem Zeitpunkt flogen, als Obama noch vor dem "arabischen Frühling" den Rücktritt des syrischen Präsidenten Assad forderte. Im Rahmen von "Anarchist" wurden auch die Signale syrischer Drohnen abgefangen und ausgewertet.

Die Darstellung von Intercept lässt offen, ob das einfache Dekodieren von Drohnen-Videos technisch heute noch möglich ist, oder ob die Hersteller bessere Verschlüsselungsverfahren in der Satellitenkommunikation anbieten, die über die herkömmliche Verschlüsselung für TV-Programme hinausgehen. (kbe)