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"Aus" für 180 schwäbische Halbleiter-Spezialisten

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Die komplette Belegschaft des schwäbischen Anlagenbauers zur Herstellung von Halbleiter-Wafern SCP erhielt am Mittag des vergangenen Mittwochs ohne Vorwarnung die sofortige Kündigung und zur Untermauerung gleich einen Verweis vom Firmengelände. Die Pliezhausener ehemalige Tochterfirma der Ruhrkohle AG war zunächst an den US- Konzern Mattson und vor eineinhalb Jahren in den Besitz des US-amerikanischen Halbleiterproduzenten SCP geraten; dabei hatte sich die Mitarbeiterschaft von ursprünglich 400 auf 180 reduziert. Die nächste Reduktion auf Null erfolgte wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Obwohl das Unternehmen laut Medienberichten -- nicht zuletzt dank staatlicher Fördermittel -- gute Gewinne erzielte, erfuhr die Belegschaft nach der Mittagspause in einer 18-minütigen Informationsveranstaltung, der Standort werde restlos aufgelöst und jedemann habe das Gelände zu verlassen. Gespräche über einen denkbaren Sozialplan will die Führung der SCP Germany GmbH am kommenden Dienstag aufnehmen, bislang scheint aber weder mit dem Betriebsrat noch mit der Industrie-und Handelskammer oder staatlichen Stellen ein Vorgespräch stattgefunden zu haben.

Der aus den USA eingesetzte Firmenchef Rob Cane erklärte gegenüber Journalisten, ein altes Produkt der Pliezhausener Produktpalette laufe aus, und bis ein neues verkauft werden könne, habe man keine Aufträge. Derweil solle ein Teil der Pliezhausener Anlagen am Firmenstammsitz im US-Staat Idaho die Arbeit aufnehmen. Der IG-Metall-Sprecher Gert Bauer sieht das jedoch anders. Nach seiner Meinung könnten die Aufträge Beschäftigung für die kommenden anderthalb Jahre sichern.

Inzwischen hat sich das Baden-Württembergische Wirtschaftsministerium zu Wort gemeldet und die SCP-Firmenleitung aufgefordert, sich um eine sozialverträgliche Regelung zu bemühen. Dem Pliezhäuser Bürgermeister Otwin Brucker scheint die Hoffnung auf einen solchen Verlauf vergangen zu sein. Er ließ sich mit den Worten zitieren "Ich habe den Eindruck, dass es der Firma so schlecht nicht geht, die haben das Unternehmen nur aufgekauft, um an das Know-how zu kommen."

Trotz sofortiger Bemühungen der Firmenleitung, das Gelände abzuriegeln und die Medien vom Ort des Geschehens fern zu halten, organisierten die gefeuerten Mitarbeiter noch am Mittwoch eine Betriebsversammlung unter freiem Himmel und organisierten zusammen mit der IG Metall eine Blockade der Werkszugänge, um die Beauftragten der SCP-Mutterfirma am Abtransport von Maschinen und Software zu hindern. (hps)