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Aus für Amazon-Konkurrent Siroop: Bewegte Zeiten im Schweizer E-Commerce

Im Schweizer E-Commerce geht es derzeit bewegt zu: Siroop, einen der größten Online-Marktplätze haben die Teilhaber gerade aufgegeben. Die Konkurrenz hingegen expandiert, vor allem Handelsgigant Amazon, das die Schweizer Position drastisch ausbauen will.

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Online-Handel

(Bild: dpa, Jens Büttner)

Das Joint-Venture-Unternehmen Siroop sollte der beliebteste Online-Marktplatz der Schweiz werden, doch nun lassen die Teilhaber das Projekt zum Ende des Jahres fallen. Erst zog sich das Schweizer Telekomunternehmen Swisscom zum 1. Mai aus dem Gemeinschaftsunternehmen "aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen" zurück und verkaufte Partner Coop seinen 50-Prozent-Anteil am Joint Venture.

Swisscom blieb indes Partner für Technik und Vertrieb. Doch nicht für lang, denn kurz darauf kündigte der verweilende Teilhaber Coop, einer der beiden größten Einzel- und Großhändler der Schweiz, die komplette Schließung von Siroop an. Ende 2018 soll der Online-Marktplatz nun seinen Betrieb ganz einstellen und mit dem Coop-Vertriebskanal für Elektronik Microspot zusammengelegt werden. Entlassungen bei den rund 180 Siroop-Mitarbeitern soll es laut Coop nicht geben. Allen betroffenen Mitarbeitenden werde eine Stelle bei Microspot, Coop oder Swisscom angeboten, hieß es von Coop.

Viel Geduld mit ihrem Unternehmen hatten die beiden Großkonzerne allerdings nicht: Erst im Mai 2016 wurde Siroop von Coop und Swisscom gestartet und sollte laut Coop-Geschäftsleitung der "relevanteste und beliebteste Schweizer Online-Marktplatz" werden, kam jedoch nie in Schwung. Über 500 Schweizer Händler, "mit kleinen und großen Shops an einem Ort", sollten die Käufer anlocken.

Doch die blieben mehrheitlich bei der Konkurrenz, etwa beim Multichannel-Händler Digitec Galaxus, ebenfalls ein Joint Venture im E-Commerce, das heute mehrheitlich vom Coop-Dauerkonkurrenten Migros kontrolliert wird. Digitec Galaxus ist derzeit Marktführer im Schweizer Online-Handel und erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 861 Millionen Franken (heute rund 720 Mio. Euro). Siroop habe laut Medienberichten in 2017 gerade mal gut 60 Millionen Franken (rund 50 Mio. Euro) Umsatz erwirtschaftet, was allerdings verglichen mit dem Jahresumsatz 2016 von 25 Millionen Franken (heute rund 20 Mio. Euro) einen erheblichen Zuwachs darstellt.

Freilich ist da noch der weltgrößte E-Commerce-Anbieter Amazon, der seine Geschäftsgänge auch in der Schweiz weiter ausbauen will. Im vergangenen Jahr erreichte Amazon in der Schweiz gut 600 Millionen Franken Umsatz. Schweizer Medien zitieren Marktbeobachter die glauben, dass Amazon innerhalb der kommenden drei Jahre seinen Jahresumsatz vervierfachen kann.

Das soll unter anderem gelingen durch eine kürzlich bekannt gewordene Neuerung, die – analog zum deutschen Online-Bekleidungshändler Zalando – Schweizer Kunden genauso wie deutsche behandelt. Amazon und die Schweizerische Post haben einen Vertrag zur Abwicklung von Importen abgeschlossen.

Denn bisher mussten Schweizer Amazon-Kunden einige Einschränkungen hinnehmen: So werden etwa nicht alle Artikel in die Schweiz geliefert. Wird ein Artikel ins Land geliefert, können höhere Versand- und Verzollungskosten hinzukommen. Damit soll nun Schluss sein, denn der Vertrag zwischen dem US-Onlinehändler und der Post regelt alle Details zu Verzollung, Rücksendungen und Bezahlung.

Noch im ersten Halbjahr 2018 soll der neue Service starten. Das wird Amazons gesamtes Sortiment von rund 300 Millionen Produkten für Schweizer Besteller einfach und auch schneller verfügbar machen. Digitec Galaxus bietet derzeit rund 1,6 Millionen Artikel, will bald auf 2 Millionen expandieren und das ebenfalls jenseits der nationalen Grenzen mit einem "EU-Hub". Amazons Schweizer Kunden bestellen dann wie bei Zalando in einem Schweizer Online-Shop, überweisen die Rechnungssumme auf ein inländisches Konto und müssen sich nicht mehr um die Verzollung kümmern.

Amazon erobert immer neue Marktanteile, was das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH Köln) dazu brachte, eine gerade erschienene Studie "Amazonisierung des Konsums" zu nennen. Laut der IFH-Studie wird inzwischen bald die Hälfte (46 Prozent) des Umsatzes im deutschen Online-Handel durch Amazon generiert. Und, je nach Branche, werden nur noch ein Viertel der Onlineumsätze komplett unabhängig von Amazon erwirtschaftet. (tiw)