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Aus für Boris Beckers Internetportal Sportgate

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Es sollte der bravouröse Neuanfang sein nach einer großen sportlichen Karriere. Doch jetzt setzt die Pleite des Internetportals Sportgate einen gehörigen Dämpfer auf die ambitionierten Unternehmerpläne von Tennisstar Boris Becker. Den Börsengang hatte er bereits geplant, vor wenigen Tagen holte er sich mit dem Ex-Metro-Manager Hans-Dieter Cleven einen Profimanager ins Boot, um seine Beteiligungen an Auto-, Sport- und Medienunternehmen auf Vordermann zu bringen. Denn im Gegensatz zu seinem großen Erfolg als Werbeträger für den Internet-Anbieter AOL soll sich das junge Imperium Becker eher mäßig entwickeln.

Glamourös war Sportgate als Internetportal, das mit Sportinformationen und Kontaktbörsen vor allem Freizeitsportler ansprechen wollte, angekündigt worden. Vor dem Brandenburger Tor posierte Becker für sämtliche Gazetten und TV-Sender. Mit dem neuen Ansatz des Portals wolle er Sportfans direkt erreichen – und natürlich Geld verdienen. "Ist ja klar", sagte er in die Mikrofone. Aus beidem wird nun voraussichtlich nichts.

Kaum, dass das Portal Ende März mit monatelanger Verspätung ans Netz ging, ist der Traum ausgeträumt. Wie die Sportgate AG am Montag mitteilte, ist sie zahlungsunfähig. Die Gesellschaftler hätten ihr nicht das versprochene Geld zur Verfügung gestellt. Summen wurden nicht genannt. Der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Charlottenburg ist eingereicht. Jetzt hofft der Vorstand um Ex-RTL-Chef Helmut Thoma auf jemanden, der die Firma mit rund 20 Beschäftigten übernimmt. Der Tennisstar oder sein Sprecher gaben zunächst keinen Kommentar.

Ein Hauptproblem waren wohl Konflikte zwischen den Hauptgesellschaftern. Schließlich hätte man nicht davon ausgehen können, dass das Portal gleich im ersten Jahr Gewinne schreibt, heißt es im Umfeld der Firma. Becker hatte seinen Anteil an Sportgate auf mehr als 50 Prozent aufgestockt. Weitere Gesellschaftler sind Pixelpark-Chef Paulus Neef mit fünf Prozent, die Venturepark Incubator AG, an der wiederum Pixelpark beteiligt ist, mit 35 Prozent und der Deutsche Sportbund (DSB). Letzterer bedauerte am Montag das schnelle Ende und wartet nun, ob nicht doch noch ein Partner gefunden wird - "um zu retten, was noch zu retten ist".

Mehrere Krisengespräche zwischen Becker und Neef brachten keine Einigung. Vorstandschef Thoma forderte Neef schließlich in der "Bild"-Zeitung öffentlich auf, Geld nachzuschießen und sprach von rund vier Millionen Mark, die dringend benötigt würden.

Sportgate ist aber nicht der einzige Ball, den Becker als Unternehmer im Spiel hat. Bereits als Tennisstar übernahm er 1993 die Mercedes-Vertretungen in den Hansestädtchen Greifswald und Stralsund sowie im nahe gelegenen Ribnitz-Dammgarten - die "Autohaus Boris Becker GmbH&Co KG". Dazu gesellten sich die Sportmarketing-Agenturen BBM (Boris Becker Marketing) in München und BBI (Boris Becker Sportmarketing) im schweizerischen Pfäffikom, die unter anderem den Fußballspieler Andrej Shevchenko betreut. Am Sportartikelhersteller Völkl Tennis GmbH hält der Wahl-Münchner 50 Prozent. Insgesamt beschäftigten die Becker-Firmen rund 170 Menschen.

Die Beteiligungen sollen gebündelt und später an die Börse gebracht werden. Das medienträchtige Internetportal fehlt nun dabei. Fachleute waren aber von Beginn an skeptisch gewesen, ob das Projekt Erfolg haben würde. Marktführer Sport 1 von der Kirch-Gruppe war bereits gut im Markt positioniert. Und das Konzept, über den Breitensport Inhalte zu erzeugen, schien Finanzanalysten wie Sportexperten wenig überzeugend. Für das Projekt sprach indes das Zugpferd Becker, hatte der Rotschopf es mit gespielt naiver Pose doch geschafft, dem Internetdienst AOL eine halbe Million neue Kunden zu bescheren. Mit seinem eigenen Internetprojekt ist Becker nun erst einmal abgestürzt. Die Branche wartet, wo und wie er sich jetzt wieder einloggt. (Nicole Bastian, dpa) / (wst)