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Auseinandersetzungen um Länder-Domain .us

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Vor einem Ausverkauf der "öffentlichen Ressource" der Länder-Domain für die USA, .us, warnten gestern 25 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Bildungsinstitutionen in Washington. In einem offenen Brief an die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) forderten sie, das Management der US-amerikanischen Länderdomain auf keinen Fall einem privaten Vertragspartner zum Zwecke der Maximierung finanzieller Profite zu überlassen.

Die Spitze richtet sich dabei nicht zuletzt gegen Domain-Marktführer Verisign/Network Solutions Inc. (NSI). NSI hat als Vertragspartner der NTIA seit November die operative Kontrolle über die Registrierung in .us wieder selbst übernommen, nachdem das Unternehmen sie über Jahrzehnte der University of California Los Angeles (UCLA) überlassen hatte. Nun, da in einem Jahr der Vertrag zwischen NTIA und NSI über den Registry-Betrieb endgültig ausläuft, hat NSI das Geschäft wieder selbst übernommen. "Noch hat NSI zwar keine Änderungen hinsichtlich des Betriebs von .us angekündigt", meint Karen Kopp von der Benton-Stiftung, die gestern mit dem gemeinsamen Brief an die NTIA in die Öffentlichkeit ging. "Nach wie vor sind die Registrierungen frei. Wir halten es allerdings für bedenklich, dass NSI nach unserem Wissen keinerlei Beschränkungen von offizieller Seite auferlegt wurden."

Neben der Frage nach einer möglichen neuen Preisgestaltung durch NSI fürchten die 25 unterzeichnenden Organisationen von der Benton-Stiftung über das Media Access Project bis zum US-Bibliothekenverband vor allem, dass aktuelle Domaininhaber von Änderungen der Registrierpolitik betroffen sein könnten. Registrierungen unter .us waren bislang für die Nutzer erst auf einer unterren Hierarchie-Stufe möglich, weil man sich dem Vorschlag von Jon Postel (niedergelegt im RFC 1480) folgend, für eine geografische und bereichsbezogene Ordnung des Adressbereichs entschieden hatte. Der vergleichsweise komplizierte Aufbau von Adressen wie san-diego.ca.us/ hat .us bislang ein eher bescheidenes Dasein fristen lassen. Rund 2 Millionen Domains wurden bis Anfang letzten Jahres vergeben, weniger etwa als unter .de oder –noch deutlicher – der .com-Domain, in denen Second-Level-Domains registriert werden können. Allerdings sind, so heißt es in der Pressemitteilung der Benton-Stiftung und des Media Access Project, vor allem öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Bibliotheken in der US-Länderdomain vertreten. Auch der künftige Status der für die Registrierung der Sublevel-Domains zuständigen rund 800 Vergabestellen ist unklar.

Man sei, erklärte Kopp gegenüber heise online, keineswegs grundsätzlich gegen Veränderungen in .us, sondern begrüße solche sogar. Man sei allerdings der Meinung, dass bei der Entscheidung über eine veränderte Registrierpolitik das öffentliche Interesse stärker berücksichtigt werden müsse. An dem von der NTIA im zweiten Halbjahr 2000 abgehaltenen schriftlichen Konsultationsverfahren hatten sich die betroffenen Domaininhaber kaum beteiligt. Mindestens ein öffentliches Hearing, so der Protestbrief, sei nötig. "Wir glauben auch", erklärt die Benton-Stiftung, "dass die möglichen Einnahmen aus dem Verkauf der Domainadressen unter .us unbedingt der Öffentlichkeit insgesamt zugute kommen sollten und nicht den Aktionären einer einzelnen Firma." Das Geld soll nach Ansicht der Organisationen etwa Programmen zur Bekämpfung des Digital Divide zugute kommen. (Monika Ermert) / (jk)