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Ausgebucht: Einzelne Internet-Seiten von Werbeaufträgen überschwemmt

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Viel besuchte Internet-Portale können sich offenbar vor Angeboten für Online-Werbung kaum retten. Der Andrang ist so stark, dass Kunden bisweilen lange auf die Aufschaltung ihrer gebuchten Banner oder Flashspots warten müssen. Wartezeiten von 18 Monaten seien keine Seltenheit mehr, berichtet das Wall Street Journal und führt dies darauf zurück, dass US-Firmen ihre Werbedollars zunehmend in den Online-Markt pumpen.

Der weitaus größte Teile der Budgets bleibt jedoch nach wie vor für Fernseh- und Print-Werbung reserviert – Internet-Werbung macht nur rund 3,7 Prozent des gesamten US-Werbemarktes aus. Verglichen mit einem Wachstum des Gesamtmarktes von 4,5 Prozent stieg der Umsatz im Online-Sektor im ersten Halbjahr 2005 laut einer Studie mit 25 Prozent aber weit schneller. Das für 2005 geschätzte Volumen von 12 Milliarden US-Dollar liegt damit deutlich über den 8,1 Milliarden US-Dollar auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms im Jahr 2000.

So verlangt Microsofts Internet-Portal MSN derzeit für eine 24-stündige Aufschaltung eines Werbespots auf seiner Homepage bis zu eine Million US-Dollar. Vor einigen Jahren konnten Werbekunden das gleiche Angebot noch für weniger als ein Zehntel dieser Summe buchen. Verglichen dazu kostet die teuerste US-Fernsehwerbung – 30 Sekunden während des Super Bowls – dieses Jahr rund 2,4 Millionen. Ein 30-Sekunden-Spot während des von durchschnittlich 26,5 Millionen Zuschauern verfolgten ABC-Serienhits "Desperate Housewives" bringt immerhin noch eine gute halbe Million US-Dollar. Eine ganze Werbeseite im Printmagazin People ist dagegen schon für vergleichsweise bescheidene 230.000 US-Dollar zu haben.

Allerdings profitieren nicht alle Internetseiten in gleichem Maß von dem Boom: Die 50 größten Seitenbetreiber ziehen mit 96 Prozent nahezu die gesamten Werbemittel auf sich. Davon wiederum fließt das meiste an die großen Vier – Yahoo, Google, AOL und MSN – die im Schnitt drei bis vier Millionen Besucher pro Tag zählen.

Der Trend erfasst aber auch Spezialseiten mit Inhalten zu Autos, Film, Reisen, Unterhaltungselektronik und Finanzdienstleistungen. Werbefachleute schätzen beispielsweise, dass sich 70 Prozent der potenziellen Autokäufer vor dem Kauf im Internet informieren. Ensprechend groß ist der Druck auf die Hersteller zur Schaltung von Online-Anzeigen. Daher können es sich einige Seiten bereits leisten, ihre Werbung wie die großen US-Fernsehsender ein Jahr oder länger im Voraus "upfront" zu verkaufen – Cars.com beispielsweise hat nach eigenen Angaben bereits 86 Prozent der Werbeplätze für die nächsten 18 Monate vergeben. (mhe)