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Computex

Ausprobiert: Android unter Windows

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Das US-Startup BlueStack Systems zeigte auf der Computex die Virtualisierungssoftware BlueStacks, mit der Android unter Windows läuft. AMD pries BlueStacks während der Präsentation der neuen Tablet-Prozessoren als Lösung an, um Android-Apps laufen zu lassen, ViewSonic will BlueStacks auf dem 10-Zoll-Tablet Viewpad 10Pro mitliefern.

BlueStacks unter Windows 7 kurz ausprobiert

Mit BlueStacks ist es möglich, Android-Apps unter Windows laufen zu lassen und per Touchpad, Maus und Tastatur des Wirtsrechners zu steuern. Auch kann das Android-System auf die Dateien des Windows-PCs zugreifen. Windows samt gestarteter Anwendungen läuft im Hintergrund weiter. Vorteil gegenüber einem parallel installierten Android ist, dass man zum Wechsel der Systeme nicht booten muss; Nachteil ist, dass prinzipbedingt weder die Laufzeit länger sein kann als unter Windows, noch die Bootzeit kürzer.

BlueStacks: Der Android-Emulator startet unter Windows in ein bis zwei Sekunden.

BlueStacks ist noch nicht fertig, sondern will demnächst mit einem Alpha-Test beginnen. Wir konnten einen Blick auf eine Vorabversion werfen, ein Android 2.2.1 auf einem Windows 7, das auf einem Samsung-Notebook lief. Das Notebook war um ein Touch-Display erweitert.

Anwender starten Android wie eine normale Windows-Anwendung, alternativ kann man Start-Icons anlegen, die direkt eine Android-App mitstarten. Android läuft dann im Vollbild. Ein Zugriff aufs Windows-Dateisystem ist von Android aus möglich, das war nach Angaben der Entwickler eine der schwierigsten Probleme bei der BlueStacks-Entwicklung gewesen.

Der Startscreen ähnelt dem von Android 2, die vier Android-Knöpfe sind als Schaltflächen in der Statuszeile am oberen Bildrand ausgeführt. Der Touchscreen funktionierte, sodass sich das Android per Touch, Tastatur und Touchpad/Maus bedienen ließ. BlueStacks arbeite mit Synaptics zusammen, um auch (die vom Touchpad nicht immer an Windows weitergereichten) Multitouch-Gesten und Scrolling besser zu unterstützen.

Zugang zum Google Market und den Apps wie Maps hat BlueStacks nicht, sondern der Anwender bekommt die Android-Apps aus alternativen Quellen wie dem Amazon Appstore. BlueStacks kommt zusätzlich mit einem aggregierenden Store, der bekannte Stores wie SlideMe und GetJar abklappert und die Apps unter einer einheitlichen Oberfläche darstellt.

Die komplett in Java geschriebenen Apps laufen direkt ohne Änderungen in BlueStacks, lediglich die mit dem NDK entwickelten funktionieren nicht. An einer Maschinencode-Emulation arbeitet BlueStacks aber. Recht viele Apps würden auch mit der höheren Display-Auflösung gut zurecht kommen, vor allem die schon für Tablets angepassten Apps.

In einem kurzen Test klappte vieles gut, beispielsweise der Newsreader Pulse, der Browser und ein Basketball-Spiel. Vor allem die Touchscreen-Unterstützung ist für die Bedienbarkeit fast unerlässlich, aber auch an einigen anderen Stellen merkt man viel Detailarbeit, sodass das BlueStacks-Android besser zu bedienen ist als bisherige Netbooks mit Android. Doch alles ging noch nicht, so misslang das Scrollen per Maus- oder Fingerwischen in der Galerie und einem Texteditor. Auch schienen das Notebook und ein ebenfalls ausgestellter All-in-One-PC mit Touch nicht in ihrer nativen Display-Auflösung zu arbeiten, sondern mit 1280 × 800 Punkten.

Eine Google-Zertifizierung könne BlueStacks gar nicht durchführen, sagte ein Sprecher, da Google sie nur für komplette Geräte erteile. Das gleiche gelte für Android 3: BlueStacks werde das nicht selbst anbieten, sondern der Gerätehersteller müsse sich dafür bei Google melden.

Wie nützlich sich BlueStacks in der Praxis erweist, kann erst die finale Version zeigen. Ein natives x86-Android kann BlueStacks jedoch vermutlich nicht ersetzen, sondern ist eher für Anwender interessant, die hauptsächlich dann doch mit Windows arbeiten und nur einzige spezielle Android-Apps verwenden möchten, für die es keinen Windows-Pendant gibt. (jow)