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Ausprobiert: Unterwegs im Roboter-Taxi - Aptiv fährt mit 30 autonomen BMWs

Wenn man in Las Vegas ein Taxi bestellt, wird man häufig von einem autonomen Auto abgeholt: Wir haben eines von 30 Aptiv-Lyfts ausprobiert.

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Unterwegs im Roboter-Taxi: Aptiv fährt mit 30 autonomen BMWs durch Las Vegas

Autonome Fahrzeuge sind auf der CES in Las Vegas allgegenwärtig, meist kurven die Selbstfahrer aber auf Parkplätzen und Teststrecken herum. Der Taxi-Dienstleister Lyft hat die futuristischen Autos dagegen bereits seit Mai im Praxiseinsatz: 30 von dem Autozulieferer Aptiv (ehemals Delphi) umgerüstete 5er-BMWs fahren zurzeit durch Vegas und absolvieren pro Woche 1500 bis 2000 Fahrten.

Lyft-Nutzer, die per App ein Auto bestellen, bekommen entweder ein konventionelles Fahrzeug zugewiesen – oder eines der Robo-Taxis. Ganz alleine sitzt man jedoch nicht im Auto, neben einer Sicherheitsfahrerin, die bei Bedarf das Lenkrad übernimmt, erklärt den Fahrgästen auch immer noch ein Mitarbeiter auf dem Beifahrersitz die Technik.

Wir haben die autonomen Lyfts in mehreren Fahrten ausprobiert, bei einer beantwortete Aptiv-Forschungschef Glen de Vos vom Beifahrersitz unsere Fragen. Laut de Vos würde die Umrüstung eines konventionellen BMWs zum autonomen Auto zurzeit noch mehrere hunderttausend Dollar kosten. Neben 9 LIDARs kommen auch 10 Radar-Module zum Einsatz, außerdem zwei redundante Computer-Systeme mit Intel-i9-CPUs und Linux.

Video: So fährt das autonome Aptiv-Lyft-Taxi

Eine Einschätzung, wie lange es noch dauert, bis autonome Taxis ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein werden, wollte de Vos noch nicht abgeben. Sein Arbeitgeber scheint aber fest an die autonome Zukunft zu glauben: Weltweit arbeiten 700 Aptiv-Angestelle an hochautomatisiertem Fahrtechnik, berichtete de Vos.

Autonomes Fahren benötigt viel Technik.

(Bild: Aptiv)

Positiv überrascht waren wir vom Fahrstil des Computers: So fuhr das Auto häufig sportlich auf Ampeln zu, bremste aber dennoch nie unangenehm abrupt. Mit geschlossenen Augen könnte man denken, ein Mensch sitzt am Steuer. Was allerdings auffiel: Das Aptiv-Auto überschritt noch nicht einmal ansatzweise die Geschwindigkeitsbegrenzung, was hinter ihm fahrende (menschliche) Autolenker sichtlich störte. Manchmal wirkte der Fahrstil obendrein übertrieben defensiv: Wo ein Mensch bei Orange noch über die Ampel rasen würde, blieb der Computer artig stehen.

So sieht es aus, wenn man mit Lyft ein autonomes Taxi bestellt (6 Bilder)

Bestellt man in Las Vegas ein Lyft, kann es passieren, dass man ein autonomes Taxi zugewiesen bekommt. Das muss man dann aber explizit bestätigen.

Außerdem fuhr das Aptiv-Auto nur auf öffentlichen Straßen autonom, auf Privatgrund wie Hotelauffahrten oder Parkplätzen übernahm die Sicherheitsfahrerin. Menschliche Eingriffe auf öffentlichen Straßen sind uns bei unseren Testfahrten nicht aufgefallen – was durchaus beeindruckend ist: Autonome Shuttles wie die in Bad Birnbach bleiben bereits bei kleinsten Unregelmäßigkeiten stehen und erfordern menschliches Eingreifen.

Auf dem Bildschirm sieht man, was der Computer sieht.

(Bild: jkj / heise online)

Zurzeit steuert Lyft mit den autonomen Fahrzeugen lediglich 40 Punkte am Las Vegas Boulevard ("Strip") an. Nur, wenn die gewünschte Fahrt zwischen zwei dieser Punkte liegt, bekommen Kunden ein Robotaxi zugewiesen – und sie müssen während des Bestellvorgangs auch bestätigen, dass sie von einem Computer gefahren werden wollen.

Was in der Praxis nervt: Es wird grundsätzlich nur auf festgelegten Routen gefahren, sprich: Auch wenn Stau herrscht, fährt der Computer keine Nebenstraße. Das führte dazu, dass uns der Informationsbeauftragte auf dem Beifahrersitz nach dem Einsteigen darauf hinwies, dass die geplante 4-Kilometer-Fahrt wegen CES-Stau zwischen 45 und 60 Minuten dauern wird. Wir sind dann wieder ausgestiegen.

(jkj)