Ausprobiert: VR-Bildhauerei Oculus Medium macht mehr Spaß als Spiele

Wie ein Bildhauer mit Zauberkräften fühlt man sich, wenn man "Medium" benutzt. Die neue Oculus-Software erinnert an Googles Tilt Brush, bringt aber eigene Ideen wie eine Art Töpferscheibe mit. Wir haben Medium ausprobiert.

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Diese in Oculus Medium gebaute Skulptur sieht ein bisschen aus, als sei sie aus Knete. Im Hintergrund ist der Lehrer-Avatar zu sehen.

(Bild: Oculus Medium / @willsmith)

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Viele Virtual-Reality-Fans predigen es schon seit Jahren: Es ist töricht, VR auf Spiele zu reduzieren – andere Anwendungsgebiete sind mindestens genauso spannend. Den neuesten, und wohl auch beeindruckendsten Beweis für diese These liefert Oculus VR auf der hauseigenen Connect-Konferenz.

"Medium" nennt sich die Bildhauerei-Software, die vielen Besuchern mehr Spaß machte als die gezeigten Spiele-Titel. Genau wie bei Googles 3D-Malprogramm Tilt Brush, das zurzeit ausschließlich auf den HTC-Vive-Entwicklerbrillen läuft, steuert man Medium mit den Händen – oder genauer gesagt mit Oculus-Touch-Controllern. In einer Hand hält man die "Düse", die unterrschiedliche Materialen in den Raum spritzt, in der anderen einen "Werkzeugkoffer", mit dem zum Beispiel die Farbe ausgewählt wird.

All das ist in Worten schwierig zu beschreiben, deshalb hier ein recht anschauliche Medium-Werbevideo von Oculus:

Video: Mit Oculus Medium kann jeder Bildhauern.

Bei unserem etwa 10-minütigem Test auf der Connect-Konferenz machte die Software nicht nur einen stabilen Eindruck, sondern auch extrem viel Spaß. Man fühlt sich wie ein Bildhauer mit Zauberkräften, schließlich lassen sich die Werkstücke mit einer schnellen Handbewegung stufenlos in der Größe verändern. Die Ein-Meter-Skulptur schrumpft in wenigen Sekunden auf Murmelgröße, um danach den gesamten Raum auszufüllen.

Ein anderes praktisches Werkzeug ist die "Töpferscheibe": Ist sie eingeschaltet, lassen sich schnell und symmetrisch runde Formen erzeugen. Eine weitere interessante Medium-Funktion: Es können mehrere Menschen gleichzeitig in der virtuellen Werkstatt herumbasteln – bei unserer Demo erklärte uns ein von einem Oculus-Mitarbeiter gesteuerter Avatar live die Bedienung der Software.

Bei unserem Medium-Testlauf durften wir uns lediglich auf einer etwa ein Quadratmeter großen Teppichfliese bewegen. Das fällt aber nicht weiter ins Gewicht, das Gefühl von Freiheit stellt sich trotzdem ein. Insgesamt hatten wir mit Oculus Medium sogar ein bisschen mehr Spaß als bei der HTC-VIve-Demo mit Tilt Brush im frei begehbaren 25-Quadratmeter-Raum. Aber das muss nicht für die fertigen Produkte gelten – wir haben uns schließlich lediglich frühe Entwicklungsversionen für ein paar Minuten angeschaut.

Eines können wir aber mit Sicherheit sagen: 3D-Modellierungsprogramme für Virtual Reality haben ein riesiges Potenzial. Oculus will die Medium-Software ihrem Touch-Controller-Set beilegen, der etwas später als die fürs erste Quartal 2016 angekündigte Rift-Brille in den Handel kommen soll. Ein Preis für Oculus Touch steht noch nicht fest. (jkj)