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Ausschreibung für neue Top Level Domains noch im Dezember

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Der Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat am heutigen Freitag beschlossen, bis spätestens 15. Dezember die Ausschreibung für die nächste Runde neuer Top Level Domains auf den Weg zu bringen. Ins Rennen gehen dürfen dabei keine allgemeinen TLDs wie .com oder .info, sondern für bestimmte Kunden oder Inhalte zugeschnittene so genannte sponsored oder chartered Top Level Domains. Solche Domains existieren bereits beispielweise mit .museum für Museen oder .aero für die Luftfahrt-Branche. Der Vorstand reagierte mit dem Beschluss auf massive Kritik von Unternehmen und Nutzern auf die ursprüngliche Absicht, die seit über einem Jahr in Aussicht gestellte Neuausschreibung noch einmal zurückzustellen.

Bei ICANNs offenem Forum am gestrigen Donnerstag hatte es herbe Kritik daran gehagelt, dass die ICANN-Direktoren in einer Telefonkonferenz im Oktober die Ausschreibung zurückstellen wollten, weil man laut ICANNs Vorsitzendem Vint Cerf zögerte, gleichzeitig an einem prinzipiellen TLD-Zulassungsverfahren und einer Neuausschreibung zu arbeiten. Drastische Worte gegen diese Verzögerungstaktik fanden gestern Ex-ICANN-Direktor Amadeu Abril i Abril, CORE-Sekretär Werner Staub, der US-ICANN-Experte und Lextext-Autor Bret Fausett und viele andere. Eine Vertreterin von Nokia warnte ICANN, dass es neue Trends im Bereich Naming und Numbering an der Organisation vorbeigingen. Auch wenn ICANN mit der grundsätzlichen Debatte um neue Registry Services wie Sitefinder, mit Fragen zum Whois und neuen WIPO-Bestimmungen gut eingedeckt ist, dürfe die Erweiterung des Namensraumes und damit die Herstellung einer besseren Wettbewerbssituation nicht vernachlässigt werden, mahnten die Kritiker. Das sei eine Kernaufgabe der Netzverwaltung.

In dem jetzt getroffenen Beschluss für die anstehende sTLD-Runde behält sich ICANN allerdings vor, Änderungen bei der Zulassung neuer TLDs rückwirkend dann auch für die glücklichen Kandidaten der jetzt eingeläuteten kleinen "Zwischenrunde" geltend zu machen. ICANN hat auch auf Forderungen der Branche und der Öffentlichkeit reagiert, die Ausschreibung nicht auf den Kreis derjenigen zu beschränken, die in Runde eins im Jahr 2000 leer ausgegangen sind. Selten hat ICANN so vollständig den Forderungen seiner Community nachgegeben. Cerf warf sich dann auch gleich stolz in die Brust: "Das Fazit in Richtung Internetgemeinde lautet: Wir hören zu." Cerf wurde bei der vielleicht kürzesten Vorstandssitzung in ICANNs Geschichte wie erwartet erneut zum Vorsitzenden gewählt. Einzige Veränderung im Vorstand ist die Ablösung des vorletzten, von den Mitgliedern gewählten Direktors Masanobu Katoh durch das ehemaligen Telekom-Vorstandsmitglied Hagen Hultzsch. (Monika Ermert) / (jk)