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Ausstellung würdigt Computerpionier Shannon

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Ein Shannon ist die Einheit, mit der der Informationsgehalt einer Nachricht bestimmt wird. Was gemeinhin in der Informationstheorie angewendet wird, beschäftigt nun die Computer-Historiker – bei der Untersuchung von Gadgets, die Claude Elwood Shannon Zeit seines Lebens bastelte. Wieviel Shannons stecken in Shannons Konstrukten?

Im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn sind die ersten Artefakte eingetroffen, die das Museum des Massachusetts Institute of Technology (MIT) für die Ausstellung Claude Shannon – Jongleur der Wissenschaft ausleiht. Das MIT ist Erbin der wissenschaftlichen Werke von Claude Shannon und hat nach seinem Tode den "Bastelkeller" des Wissenschaftlers ausgeräumt. Gadgets aus diesen Beständen sollen den Kern der Ausstellung bilden, die am 6. November eröffnet werden soll. Bis dahin haben die Computer-Restauratoren und Elektronik-Spezialisten des Museums einiges zu tun: Im Gegenzug zu den großzügigen Leihgaben vom MIT-Museum will das HNF dokumentieren, wie Shannons Gadgets im Detail funktionieren, Unterlagen dazu gibt es nicht mehr.

Aus einem Kinderspielzeug bastelte Shannon diesen ferngesteuerten Lastwagen.

(Bild: Detlef Borchers)

Während das HNF in seine Sommerferien geht, beginnt für die Restauratoren die Arbeit. Sorgfältig muss etwa ein verstaubter "Shannon Truck" gereinigt werden, seine Elektronik studiert und rekonstruiert werden. Aus einem batteriebetriebenen Lastwagen, einem Kinderspielzeug, hatte Shannon ein ferngesteuertes Objekt gemacht, das mit vier Stromabtastern auf der Unterseiten gesteuert wurde. Unterschiedliche elektrische Spannungen auf dem Boden spielten dabei die Rolle von Steuerbefehlen.

In den gesammelten Werken Shannons findet sich dazu nur der Hinweis, dass die Bastelei mit seiner (geheimen) Kriegsforschung in den Bell Laboratories zu tun hatte, in denen Shannon von 1941 bis 1956 arbeitete. Hier war er als Kryptograf an der Entwicklung von Verschlüsselungsgeräten beteiligt, die bei Telefonaten zwischen US-Präsident Franklin Delano Roosevelt und dem britischen Premier Winston Churchill zum Einsatz kamen. Die laufend wechselnden One-Time-Pads für die Gespräche wurden auf Schallplatten kopiert, die in den "War Rooms" der beiden Alliierten exakt zum gleichen Zeitpunkt gestartet werden mussten.

THROBAC, der "Thrifty Roman Numerical Backward Looking Computer"

(Bild: Detlef Borchers)

Neben der detektivischen Bastelarbeit an den Schaltungen gewähren die Gadgets auch einen Einblick in den besonderen Humor, mit dem Shannon seine Arbeiten kommentierte. In der ersten Lieferung des MIT befindet sich auch ein Gerät, dass mit römischen Ziffern rechnen kann, beschränkt auf den Zahlenraum ± 70. Für Shannon war es der erste "nutzlose Computer" der Welt. Im leichten Spott auf die ersten rechnenden Großanlagen wie ENIAC und EDSAC nannte Shannon sein Gerät THROBAC, ausgeschrieben "Thrifty Roman Numerical Backward Looking Computer".

Für die Vorbereitung der Shannon-Show erwarten die Ausstellungsmacher eine zweite Lieferung weiterer Konstruktionen, deren Transport aber wesentlich heikler ist. Zu ihnen gehört der Roulette-Berechner, die von Shannon kreierte mechanische Maus "Theseus" mit ihrem Labyrinth, die Lösungsmaschine für Rubiks Cube und "W.C. Fields", ein mechanischer Jongleur. Shannon war selbst ein begabter Jongleur (Video) und schrieb eine physikalische Theorie der Ballwege. Als nicht mehr transportierfähig erwies sich indes sein berühmter Schachrechner, mit dem Shannon zum Pionier der Schachcomputer gehörte.

Parallel zur Shannon-Ausstellung plant das HNF eine Vortragsreihe zu den Themen, die Shannon besonders beschäftigten. Einer der Höhepunkte soll der Auftritt des niederländischen Informatikers Willem van der Poel werden, der als Computerpionier den ersten niederländischen Computer Testudo entwickelte. Van der Poel arbeitete ab den 50er Jahren mit Claude Shannon in einem Projekt zusammen, in dem eine Kommunikationsmaschine für Taubblinde entwickelt werden sollte. Hintergrund dieser Arbeit bildete eine damals einsetzende Menschenrechts-Diskussion, ob Taubblinde nicht ihre Kommunikationsform selbst wählen sollten. (Detlef Borchers) / (vbr)

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