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Ausstellung zu "Datenschutz im Dialog"

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Datenschutz im Dialog heißt eine kleine Ausstellung, die am Berliner Firmensitz von Toll Collect zum sechsten Geburtstag des Mautsystems eröffnet wurde. Die Ausstellung soll Denkanstöße geben, sich mit dem Datenschutz zu beschäftigen. Sie ist nach Voranmeldung für Besucher zugänglich. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix wünscht sich einen regen Besuch von Schulklassen.

Toll Collect lädt zur Besichtigung ein.

(Bild: Toll Collect)

Ausgangspunkt der Ausstellung war der Wunsch von Toll Collect, den verantwortungsvollen Umgang mit den LKW-Mautdaten einer interessierten Öffentlichkeit besser zu vermitteln. Nicht abreißende Fragen von Privatpersonen, aber auch von Ermittlern zeigten den Mauteintreibern, dass das Konzept der Zweckbindung der Mautdaten nicht verstanden wird. "Wir betreiben keine Vorratsdatenspeicherung, mit der man Bewegungsprofile erstellen kann", erklärte Reinhard Fraenkel, Datenschutzbeauftragter von Toll Collect. "Mautdaten sind keine Telekommunikationsdaten. Für sie gilt das Beschlagnahmeverbot."

Höhepunkt der Ausstellung bildet ein Leporello in einem Konferenzraum, in dem der Umgang mit den in verschiedene Löschklassen eingeteilten Mautdaten erklärt wird. Außerdem ist hier ein interaktiver Wissensschirm installiert, mit dem die "Löschkaskade" anhand von aufgezeichneten Echtdaten einer Maut-Kontrollbrücke erklärt wird. Im Messzeitraum passierten 7476 Fahrzeuge die Brücke, von denen 1356 LKW waren – entsprechend werden die PKW-Daten schon im Arbeitsspeicher der Brücke gelöscht. Von 256 mautpflichtigen LKW hatten 246 bereits bezahlt. Zehn Mautpreller blieben übrig – die Daten der sechs ausländischen Fahrzeuge werden an das Bundesamt für Güterverkehr zur Ermittlung weitergereicht, vier Mautpreller bekommen eine Rechnung von Toll Collect. "So sieht Datensparsamkeit in Aktion aus", sagt Fraenkel.

Laut Bundesverkehrsministerium waren unter 18,9 Millionen kontrollierten LKW im vergangenen Jahr über 122.000 Mautpreller. Dafür kassierte Toll Collect 562 Millionen Euro bei 4,2 Milliarden, die der Mautbetreiber an den Bund überwies. Entsprechend selbstbewusst gibt man sich in Berlin. "Der Schutz von Daten ist ein wichtiges Kriterium für die Akzeptanz des Toll-Collect-Mautsystems bei den in- und ausländischen Kunden. Wir wollen mit der Ausstellung Denkanstöße geben und verstehen uns als Dialogplattform für Diskussionen über den Datenschutz", erläuterte Toll-Collect-Chef Hanns-Karsten Kirchmann die Ausstellung ausgerechnet in dem Stockwerk, in dem 80 Mitarbeiter mit der Mautkontrolle beschäftigt sind

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fand für die Ausstellung freundliche Worte: "Hier wird gezeigt, das Technik so gestaltet werden muss, dass der Einzelne die Kontrolle hat und kritische Fragen stellen kann. Wieso brauchen beispielsweise Smart Grids Datenzentralen, in denen Haushaltsdaten aufbereitet werden, wieso können die Daten nicht '@Home' bleiben, unter der ausschließlichen Kontrolle der Familien?" Ähnlich argumentierte Dix mit einem Blick in die Zukunft: "Die Diskussion über die LKW-Maut führt zwangsweise zur Diskussion einer PKW-Maut. Da muss es in Zukunft ein System geben, das sicherstellt, dass die Daten im Auto bleiben."

Die vom Berliner Szenograf Felix Brennecke konzipierte Ausstellung arbeitet mit hintergrundbeleuchteten Stereo-Bildern, die je nach Blickwinkel eine andere Aussage vermitteln. Hinter einer Kundenkarte schlummert beispielsweise die Frage "Mögen sie Fischstäbchen?" und illustriert damit, dass Kundenbindungsprogramme Vorlieben aufzeichnen. Danach klärt die Ausstellung über die Gefahren der Datenspeicherung von Mobiltelefonen oder Suchmaschinen auf. In einem weiteren Bereich wird die Geschichte des Datenschutzes seit biblischen Zeiten erklärt. Die Ausstellung endet mit der Wiedergabe der Datenspur, die ein Berliner an einem einzigen Tag hinterlässt. (vbr)