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Technology Review

Australien: Solarstrom-Handel mit Blockchain

In Australien kommt die Blockchain-Technologie beim Strommarkt auf den Prüfstand. In einem Projekt sollen Hausbewohner ihren überschüssigen Strom verkaufen und den Handel in der Blockchain hinterlegen.

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Blockchain-Handel am Silicon Beach

(Bild: Michael Coghlan / Flickr / cc-by-sa-2.0)

Das australische Unternehmen Power Ledger will sämtlichen Kunden des staatlichen Netzanbieters Western Power ermöglichen, via Blockchain-Technologie untereinander ihren Solarstrom zu handeln. Das Projekt würde ein Gebiet in etwa so groß wie Deutschland umfassen. Doch auch eine Revolution will zuerst erprobt werden – und so startet Power Ledger zunächst mit einem kleinen Feldversuch: 20 Einwohner einer Wohnsiedlung im Städtchen Busselton sollen via Blockchain ihren Solarstrom kaufen und verkaufen. Das berichtet Technology Review in seiner neuen Ausgabe (ab sofort im Handel und im heise shop erhältlich). Für den Versuch kooperiert Power Ledger mit dem Immobilienunternehmen National Lifestyle Villages, das Wohnsiedlungen für Senioren errichtet.

Die Blockchain-Technologie ist wie ein digitales Haushaltsbuch: Sämtliche Transaktionen werden verzeichnet, in einzelnen Blöcken abgespeichert und wie an einer Kette (block chain) aneinandergereiht. Das Verfahren soll Zwischenhändler wie Banken, Börsen oder große Stromanbieter überflüssig machen. Das spart Zeit und Kosten. Und da – anders als bei einer normalen Transaktion – die Datenblöcke nicht auf einem zentralen Rechner liegen, sondern auf unterschiedlichen Computern, glauben die Befürworter an mehr Transparenz und weniger Betrugsmöglichkeiten. Schließlich würden die beteiligten Computer die Manipulation aufdecken. Nur wenn alle Teilnehmer der Blockchain das gleiche Signal erhalten haben, dass beispielsweise ein Handel stattgefunden hat, wird der Kette ein neues Glied hinzugefügt. Eine zentrale Autorität wird damit überflüssig. Gleichzeitig bleiben die Teilnehmer anonym, ihre Identität wird durch einen Code geschützt.

In Busselton sollen die Haushalte mit einem Raspberry-Pi-Minicomputer ausgestattet werden. So können die Teilnehmer in Echtzeit ihren Energieverbrauch überwachen, überschüssigen Strom verkaufen und den Handel in der Blockchain hinterlegen. „Die Nutzer werden nicht nur ihre Stromkosten senken“, sagt Govert van Ek, Mitbegründer von Power Ledger, sondern hätten dank der kurzen Strecken auch geringere Verluste bei der Übertragung. Darüber hinaus soll es Funktionen geben wie genaue Wettervorhersagen für eine optimale Nutzung der Solarpaneele oder die Möglichkeit, Batterien von Elektroautos aufzuladen. "Das hier ist eine Art Silicon Beach."

Busselton ist der bislang größte Blockchain-Feldversuch im Bereich Energieversorgung, doch nicht der erste: Im März startete ein ähnlicher Test im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Fünf Haushalte produzierten Solarstrom, fünf Nachbarhaushalte konsumierten. "Wir wollen das Projekt vergrößern und planen, die Auswahl an Stromquellen zu erweitern", sagt Scott Kessler von LO3 Energy, dem Betreiber des New Yorker Ministromnetzes. Kessler ist sicher, dass die Vergrößerung des Netzwerks kein Problem darstellen wird.

Der Hype verdeckt jedoch einige Probleme. Noch steckt die Technologie in ihren Kinderschuhen. Eine New Yorker Straße oder eine australische Siedlung sind überschaubare Projekte. Was aber, wenn sie wachsen? Bei einer Blockchain wird jede Transaktion auf allen teilnehmenden Computern abgespeichert. Dafür bedarf es Speicherplatz und Prozessorgeschwindigkeit. Und wie bei jeder Technologie geht mit neuen Chancen auch das Risiko des Missbrauchs einher. Wer entscheidet bei einem Konflikt? Dafür fehlen noch die rechtlichen und regulatorischen Vorgaben.

Diesen und weitere Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe von Technology Review (ab sofort im Handel und online im heise shop erhältlich). (jle)

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