Australien nimmt DVD-Regionalcode unter die Lupe

Die australische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzkommission ACCC zweifelt die Rechtmäßigkeit des Regionalcodes an.

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Von
  • Gerald Himmelein

Die Australische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzkommission ACCC (Australian Competition and Consumer Commission) hat die dortigen Niederlassungen der amerikanischen Filmstudios um Stellungnahme gebeten, welchen Sinn der DVD-Regionalcode hat. Die Kommission geht davon aus, dass der Regionalcode-Schutz gegen australische Gesetze zur Erhaltung des freien Wettbewerbs verstößt. Die Anfrage stellt vermutlich den ersten Schritt zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung um die rechtliche Grundlage des Regionalcodes dar. Es würde sich dabei international um den ersten Fall dieser Art handeln.

Bei DVD-Playern stellt ein Mechanismus namens Region Playback Control (RPC) sicher, dass die Geräte nur DVD-Videos aus der Region des Players abspielen. Dazu haben die Studios die Welt in sechs Regionen aufgeteilt: Die USA und Kanada liegen beispielsweise in Region 1, Europa in der Region 2 und Australien in Region 4. Bei DVD-ROM-Laufwerken können die Besitzer den Regionalcode meist höchstens fünfmal ändern.

Für die amerikanischen Filmstudios ist RPC ein wesentlicher Bestandteil des DVD-Standards. Vorgeblich dient er dazu, "Grauimporte" zu verhindern und die gestaffelten Kino-Premierentermine der Studios zu stützen. Offenbar befürchten die Studios, dass die Zuschauer keine Kinos mehr besuchen, wenn der gleiche Film bereits auf einer importierten DVD gesehen werden kann.

Auch wenn das DVD-Forum die sechs Regionen gern als "natürlich" darstellt, orientiert sich die Einteilung weniger nach der geografischen Position der Ländern, sondern nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. In den USA stehen mittlerweile um die 10.000 DVD-Titel in den Regalen, während sich Australien nach Angaben der ACCC mit mageren 700 Titeln begnügen muss.

Die ACCC unterstellt den Hollywood-Studios, der Regionalcode diene der Preistreiberei. Die Kommission hatte bereits im vergangenen Dezember vor dem Regionalcode gewarnt: "Diese Einschränkungen werden von einer Gruppe multinationaler Film-Unterhaltungsfirmen künstlich forciert." Die ACCC argumentiert, der Regionalcode halte das australische DVD-Angebot künstlich klein: Er bringe kleinere Studios davon ab, ihre Titel in Australien auf DVD-Video zu vermarkten.

Nur selten gibt es Ausnahmen, bei denen DVD-Titel in anderen Ländern veröffentlicht werden, bevor sie in den USA erscheinen. Dazu gehören unter anderem die Special Edition von "Terminator" und der Orson-Welles-Klassiker "Citizen Kane".

In Deutschland gilt der Vertrieb von Region-1-DVDs aus Gründen des Jugendschutzes und des Wettbewerbs als unzulässig – das gilt auch für Videotheken und Internet-Aktionshäuser. Gegen den privaten Import von DVD-Titeln ist dagegen nichts einzuwenden. Mittlerweile bieten viele Händler in Europa Regionalcode-freie DVD-Player oder Bausätze an, die DVD-Abspielgeräte vom Regionalcode befreien. (ghi)