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Auswärtiges Amt hat sich weitgehend von Linux verabschiedet

Von einer "Rückmigration" von Open Source zu Microsoft will das Außenministerium zwar nicht sprechen; von etwa 11.400 Linux-Arbeitsplätzen sind aber nur noch 1000 vorhanden, der Rest läuft mit Windows 7.

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Auswärtiges Amt hat sich weitgehend von Linux verabschiedet

Protokollzufahrt am Auswärtigen Amt

(Bild: photothek / Auswärtiges Amt)

Das Auswärtige Amt, das jahrelang als Vorzeigebehörde dabei galt, Software einzusetzen, hat seinen 2010 begonnenen Wechsel zurück zu Microsoftprodukten größtenteils abgeschlossen. Liefen im März 2011 in Behörden des Außenministeriums in Berlin und weltweit etwa in Botschaften noch rund 11.400 Arbeitsplätze im Mischbetrieb mit der Linux-Distribution Debian und Windows XP, waren davon im Februar nur noch 1000 übrig. Dagegen ist auf 11.000 Rechnern jetzt Windows 7 installiert. Dies geht aus einer nun veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervor.

Weniger stark hat das Haus von Minister Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Server-Bereich Open Source den Rücken zugekehrt. Linux-Server seien dort "nicht generell" durch Alternativen aus Redmond ersetzt worden, schreibt die Regierung. Sie würden vor allem noch als Anwendungs-, Proxy- und Internet-Terminalrechner genutzt. "Lediglich im Bereich Mail-, File- und Anmeldedienste" würden mittlerweile vorrangig Windows-basierte Server verwendet. Insgesamt liege das Verhältnis von Linux zu Microsoft im Backend-Sektor bei 50 zu 50 Prozent.

Um die verbliebenen Open-Source-Systeme aktuell zu halten, hat das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben seit Mai 2011 etwa 2,2 Millionen Euro ausgegeben. Dabei sei noch nicht berücksichtigt, die Hardware zu "ertüchtigen".

Für Arbeitsplatzlizenzen für Windows 7 hat die Behörde rund 1,7 Millionen Euro ausgegeben. Nutzungsrechte für Windows-Server schlugen mit 2,4 Millionen Euro zu Buche. Den Anteil der Lizenzgebühren, die zwischen 2008 und 2011 an Microsoft flossen, schätzt das Amt auf 1,2 Millionen Euro. Kosten für einen "mehrjährigen Support" durch den US-Konzern weist das Papier mit über 1,5 Millionen Euro aus. Dazu kommen 526.914 Euro für eine "Umsetzungsunterstützung" durch Microsoft und Beratungsleistungen für den Wechsel zu Windows 7 in Höhe von 82.705 Euro.

Von einer "Rückmigration" will das Ministerium trotz der deutlichen Zahlen nicht sprechend. Vielmehr habe es "auf Grundlage der am Nutzerbedarf orientierten IT-Strategie" einen "völlig neuen, zeitgemäßen und homogenen Standard-Arbeitsplatz entworfen und weltweit ausgebracht". Dieser bestehe nicht nur aus Windows 7, sondern auch aus "einer Vielzahl sowohl freier als auch proprietärer Anwendungen für die Bürokommunikation und spezialisierter Anwendungen, um ein große Spektrum fachlicher Aufgaben zu erledigen". Mit dem Hybrid-Betrieb der alten XP-Linux-Variante sei diese Lösung "nicht zu vergleichen".

Sicherheitsaspekten würden nun dadurch berücksichtigt, indem "Mischkulturen genutzt werden", betont das Ministerium. Hard- und Software würden so betrieben wie vom Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen. Das Auswärtige Amt verfolge so auch das Ziel des Bundeskabinetts, Monokulturen im IT-Bereich zu vermeiden und die Vielfalt von Software zu fördern.

Die Grünen haben gemeinsam mit der Free Software Foundation Europe (FSFE) eine Web-Plattform eingerichtet, auf der Interessierte die Antwort des Ministeriums "kollaborativ auswerten" können. Sie suchen nach Ansatzpunkten, um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, "endlich eine kohärente Strategie zur verstärkten Unterstützung freier Software zu verfolgen". Sie meinen, beim Außenministerium "durchaus von einer Abkehr" von Open Source sprechen zu können. (Stefan Krempl) / (anw)

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