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Automatische Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz: Erste Ergebnisse vorgestellt

Nach sechs Monaten Test der automatischen Gesichtserkennung soll er um weitere sechs Monate verlängert und "praxisnaher" ausgestaltet werden.

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Automatische Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz: Erste Ergebnisse vorgestellt

(Bild: dpa / Paul Zinken)

Bei einem Besuch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Berliner Bahnhof Südkreuz wurde eine Zwischenbilanz zum dortigen Test der automatischen Gesichtserkennung gezogen. Demnach wurden die rund 300 Testpersonen in 70 Prozent der Fälle zuverlässig erkannt. Die Rate von 70 Prozent und mehr sei ein "sehr guter Wert", meinte de Maizière. Die Rate der Falscherkennungen (False Positives) lag nach Angaben des Bundesinnenministeriums bei "unter einem Prozent". Berechnet auf die Zahl von 100.000 Passanten, die im Bahnhof Südkreuz alltäglich umsteigen, wären dies 1000 Fehlalarme pro Tag. Der bis Januar 2018 laufende Test soll um weitere sechs Monate verlängert werden und dabei praxisnaher gestaltet werden, zum Beispiel mit Bildern der "gesuchten Personen" von schlechterer Qualität.

Bei dem bis Januar laufenden Test wurden eigens angefertigte Bilder der rund 300 Testpersonen in guter Qualität in einer Datenbank gespeichert. Die von drei Videokameras angelieferten Bilder wurden von einer automatischen Gesichtserkennungssoftware ausgewertet. Parallel zur den eingespeisten Aufnahmen trugen die freiwilligen Testpersonen einen Sender, der ihre Anwesenheit am Bahnhof Südkreuz signalisierte. Auf diese Weise konnte die Erkennungsrate von 70 bis 85 Prozent ermittelt werden.

Der erste Test solcher Erkennungssysteme am Hauptbahnhof Mainz vor zehn Jahren erreichte eine Erkennungsrate von 60 Prozent tagsüber. Dieser Wert sei zu niedrig, um vom einen einsatzfähigen System sprechen zu können, befand der damalige BKA-Prasident Jörg Ziercke. Florian Gallwitz, Professor für Mustererkennung an der Technischen Hochschule Nürnberg, kommentierte das aktuelle Ergebnis so: "Das wäre also ein für mich überraschend schlechtes Ergebnis, kaum besser als bei dem Testlauf vor gut zehn Jahren in Mainz. Die dramatischen Fortschritte der Gesichtserkennung im Forschungsbereich allen in den vergangenen vier Jahren scheinen sich hier nicht widerzuspiegeln."

Datenschützer hatten Ende November im Bahnhof Südkreuz gegen die Gesichtserkennung demonstriert. Sie treibt die Sorge, dass mit Gesichtserkennungssystemen automatische Bewegungsprofile einer Person erstellt werden könnten. Die Sicherheitsbehörden halten dagegen, das mit der Gesichtserkennung mögliche Gefährder vor einem Anschlag erkannt werden könnten. (Detlef Borchers) / (anw)

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