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Automatisierung der Arbeitswelt: Juristen regen "Menschenquote" an

In einer neuen Studie wird der globale Vormarsch der Roboter in der Arbeitswelt untersucht. Staaten könnten auf die zu erwartenden sozialen Verwerfungen etwa mit einer Menschenquote oder einem Produktlabel "Made by humans" reagieren, sagen die Autoren.

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(Bild: dpa, Ole Spata)

Die Automatisierung der Arbeitswelt durch Roboter und künstliche Intelligenzen wird nicht nur viele Menschen den Job kosten, sondern auch eine große Herausforderungen für die Gesetzgeber bedeuten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der International Bar Association (IBA), einem weltweiten Verband von Anwälten und Anwaltskammern. Die bestehenden Gesetze, die Rechte menschlicher Arbeitnehmer eigentlich schützen sollten, könnten diesem Zweck so bald nicht mehr gerecht werden, erklärte die Juristin Gerlind Weiss von der IBA.

Dabei machen die Autoren auch Vorschläge, mit welchen Mitteln Staaten die gesellschaftlichen Verwerfungen durch die Umwälzung des Arbeitsleben ausgleichen könnten: Unter anderem regen sie eine branchenübergreifende Menschenquote an, ein Produktlabel "Made by humans" oder eine Steuer auf den Einsatz von Automatisierungstechnik. Ebenfalls könne der Gesetzgeber festlegen, dass bestimmte Tätigkeiten wie zum Beispiel die Betreuung von Babys und Kleinkindern ausschließlich durch Menschen zu erfolgen haben.

Generell seien nicht nur Berufe mit manueller Arbeit oder hohem Routineanteil gefährdet. Auch juristische Jobs könnten zumindest teilweise bedroht sein. Als Beispiel wird ein Versuch mit einer KI genannt, die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte mit Mustererkennung durchforstete und auf Basis dessen schließlich mit einer Erfolgsquote von 79 Prozent die Ergebnis weiterer Prozesse vorhersagen konnte. Solche Technik könnte dann etwa auch zur Prüfung von Verträgen und Klauseln genutzt werden.

Betroffen seien vom den rapiden Wandel zudem nicht nur die industrialisierten Länder. Der Vorteil niedriger Lohnkosten, den aufstrebende Länder bei Fertigungsjobs gegenüber Hochlohnländern wie etwa Deutschland ins Feld führen können, schmelze durch Automatisierung dahin, meinen die Autoren. Ein Roboter werde nicht krank, streike nicht, brauche auch keinen Urlaub und unterbiete auch so die Kosten für Niedriglöhner. Entsprechend sei damit zu rechnen, dass bislang ausgelagerte Arbeit in die Hochlohnländer zurückkehrt.

Führend im Einsatz von Robotern ist laut Studie Südkorea mit derzeit 437 Robotern auf 10.000 Arbeitnehmer, darauf folgten Japan mit 323 und Deutschland mit 283. Neben Fragen der Arbeitswelt seien auch noch weitere Herausforderungen wie der rechtliche Umgang mit autonom agierenden Maschinen zu meistern. Das betreffe nicht nur autonome Autos auf der Straße oder Gabelstapler in der Fabrikhalle, sondern auch den Einsatz autonomer Waffensysteme. (axk)

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