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Autonome Autos: 1.000 Testfahrer für Europas Straßen

Wie sich teilautonome Fahrzeuge (Level 3) bewähren und auswirken, soll ein großer Feldversuch mit "normalen" Autofahrern herausfinden.

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«Cruising Chauffeur»

In diesem Archivbild nimmt Continental-Testingenieur Dennis Scholl die Hände vom Lenkrad. Bald dürfen das auch 1.000 Testfahrer, die keine spezielle Ausbildung haben.

(Bild: dpa, Hauke-Christian Dittrich)

Tausend Testfahrer mit insgesamt hundert teilautonomen Fahrzeugen sollen bald in zehn europäischen Ländern unterwegs sein, darunter Deutschland und Österreich. Im Rahmen des L3Pilot genannten Feldversuchs sollen sie praktische Erfahrung mit dem alltagsnahen Einsatz der KFZ von morgen sammeln, und zwar auf der Autobahn, im Stau, im Stadtverkehr und beim automatischen Einparken. Bereits im September geht es mit den ersten Testfahrten los.

Auch grenzüberschreitende Fahrten stehen auf dem Plan. Dabei stellen insbesondere die unterschiedlichen Verkehrsschilder und -markierungen eine Herausforderung dar. Hinzu kommen die bisweilen recht unterschiedlichen Verkehrskulturen. Zum Einsatz kommen KFZ mehrerer europäischer Hersteller sowie anderer Fabrikanten mit europäischen Entwicklungszentren.

Die meisten Fahrzeuge werden "Conditional Automation" (Level 3) nach der SAE-Definition J3016 erfüllen. Kleinere Gruppen von Autos werden nur Level 2 ("Partial Automation") oder vielleicht schon Level 4 ("High Automation") entsprechen, wie Dr.-Ing. Adrian Zlocki vom Projektpartner Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (FKA) heise online verraten hat. Level 3 bedeutet, dass das Auto in bestimmten Bereichen unter bestimmten Bedingungen selbst fährt.

Interview mit Dr.-Ing. Adrian Zlocki, Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen – Was ein "Level 3"-Auto leistet und warum es nicht um möglichst viele Kilometer geht.

Der Fahrer muss nicht die ganze Zeit aufpassen sondern dürfte etwa heise online lesen, er muss aber stets anwesend und ansprechbar sein. "Wenn das Fahrzeug ihn dann wieder braucht, zum Beispiel in einer komplizierten Situation, in der es nicht mehr weiter weiß, kann es den Fahrer zurückholen, dann muss er wieder übernehmen", erklärte Zlocki im Interview auf dem Automated Vehicles Symposium in San Francisco im Juli, "Aber in der Zeit, wo er Level 3 fährt, darf er Nebenaufgaben wahrnehmen, aus dem Fenster schauen, sich mit jemandem unterhalten (oder lesen)."

Kameras und andere Sensoren beobachten das Verhalten des Fahrers, des Fahrzeugs und der übrigen Verkehrsteilnehmer. Ziel des L3Pilot ist, mehr über technische Aspekte, Akzeptanz durch die Nutzer, langfristige Auswirkungen auf Fahr- und Reiseverhalten sowie auf die Gesellschaft herauszufinden. Augenmerk wird auch auf die Wechselbeziehungen zwischen Verkehrsteilnehmern mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden gelegt. Entsprechend sollen nicht nur speziell ausgebildete Testfahrer sondern beispielsweise "normale" Mitarbeiter der Projektpartner hinter dem Lenkrad der teilautonomen Fahrzeuge Platz nehmen.

Schlafen bleibt verboten! – Wir kennen die Technik, nicht aber den Menschen. Und der ist ein Problem.

Zudem soll mehr über Sicherheit und Effizienz in einem Verkehrssystem mit herkömmlichen und teilautonomen Fahrzeugen in Erfahrung gebracht werden. Die Ergebnisse werden unter anderem in einen Code of Practice für automatisiertes Fahren münden, der typische Verfahren beschreibt, sowie Methoden definiert, mit denen die sichere Funktion automatischer Fahrsysteme bestätigt werden kann. Das Projekt läuft seit September 2017 und ist auf vier Jahre angelegt.

Überzogene Erwartungen an die Sicherheit – Sicherheitsgewinn ja, aber nicht so hoch wie erwartet

Vom Gesamtbudget von 68 Millionen Euro kommen 36 Millionen aus EU-Mitteln, den Rest stellen die 34 Projektpartner. Dazu zählen unter anderem ein Dutzend Autokonzerne, deren Zulieferer, Versicherungen, und Forschungseinrichtungen wie die Bundesanstalt für Straßenwesen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen, sowie die Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen.

[Update 14.8., 1:40 Uhr:] Name des Inst. für Kraftfahrzeuge korrigiert, da es seit 2008 nicht mehr Inst. für Kraftfahrwesen heißt. [/Update] (ds)

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