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Autonome Autos: Für Mercedes kommen die eigenen Kunden zuerst

Wenn sich Personenschaden nicht vermeiden lässt, werden autonome Mercedes-Benz dem Schutz der Fahrzeuginsassen Vorrang gegenüber Dritten einräumen, sagte ein Abteilungsleiter. Das Hauptaugenmerk liege aber auf der Vermeidung kritischer Situationen.

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Mercedes. Hinweis: Der Autonome BeBilderungs-Algorithmus (ABBA) ist noch im Beta-Stadium.

(Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F089026-0009 / Thurn, Joachim F. / CC-BY-SA 3.0)

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Vom vernetzten zum autonomen Auto

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"Wenn Sie wissen, dass Sie mindestens eine Person retten können, retten Sie wenigstens diese. Retten Sie die Person im Auto", hat Christoph von Hugo am Pariser Autosalon zur britischen Publikation Auto Express gesagt. Von Hugo leitet bei Mercedes-Benz die Radar-Entwicklung. Radare sind wesentliche Sensoren für (teil)autonome Fahrzeuge.

Man könnte zwar das Auto opfern, wisse dann aber nicht, was im Anschluss mit den zunächst Geretteten passiere. Unfallsituationen seien oft sehr komplex. "Also retten Sie die, von denen Sie wissen, dass Sie sie retten können", so von Hugo.

Die Bestimmung von Kriterien für die Wahl zwischen verschiedenen Opfern beschäftigt Ethiker und Philosophen seit Jahrtausenden. Weil Menschen in Krisensituationen selten die Zeit haben, Für und Wider abzuwiegen, blieben solche Triage-Fragen weitgehend theoretisch. Das ändert sich mit der schrittweisen Einführung selbstfahrender Autos. Denn diese werden im Voraus programmiert.

Bisher haben sich die Fahrzeughersteller über ihre Herangehensweise ziemlich bedeckt gehalten. Mercedes-Benz hatte nun den Mut, Position zu beziehen. Und diese Position ist auch nach juristischen Grundzügen untermauert: Während der Fahrzeughersteller außervertragliche Pflichten gegenüber jedermann hat, kommen gegenüber dem Kunden noch vertragliche Verpflichtungen hinzu. Im Einzelfall wird es natürlich auf viele Details des Sachverhalts ankommen.

Zudem lässt es sich aus ethischer Sicht gut argumentieren: Die computergesteuerten Fahrzeuge sollen ja deutlich sicherer sein, als von Menschen gelenkte Vehikel. Doch würde sich ein allzu altruistisches Modell wohl schlecht verkaufen, da Kunden die Sicherheit der eigenen Familie in aller Regel besonders am Herzen liegt. Schleichender Absatz bedingte auch einen nur schleichenden Sicherheitsgewinn des altruistischen Autos.

Von Hugo ist der Ansicht, dass die Relevanz der grundsätzlichen Fragestellung überschätzt wird. 99 Prozent der Entwicklungsarbeit befasse sich damit, solch kritische Situationen zu vermeiden. Zu dieser Arbeit gehören auch enorm aufwändige Tests. Einfach Kilometer abzuspulen ist dabei nicht ausreichend: "Es geht um Situationen, und davon gibt es eine unendliche Zahl." (ds)