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Autonome Autos: Parkkosten zu meiden verursacht wenig Verkehr

Statt teuer in der Innenstadt zu parken, könnten selbstfahrende Autos in Gratis-Parkzonen fahren. Die City bräuchte kaum noch Parkraum. Der zusätzliche Verkehr wäre überschaubar, wie eine Simulation ergeben hat.

Großer Parkplatz ohne Autos, fotografiert durch Maschendrahtzaun

Freie Parkplätze so weit das Auge reicht; gefunden in Flint, Michigan, wo einst Buick die größte Fabrik der Welt betrieben hat.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Stell Dir vor, niemand parke in der City. Alle Autos sind autonom und fahren alleine von dannen, um die Parkkosten zu sparen. Später holen sie ihre Passagiere wieder aus der Innenstadt ab. US-Forscher haben das Szenario für Seattle simuliert und diese Woche auf dem Jahrestreffen des Transportation Research Board (TRB) in Washington, DC, präsentiert. Demnach steigt die Fahrleistung aller Autos (“light-duty vehicle”) in Seattle an einem Arbeitstag um maximal 2,5 Prozent – weniger als der laut einer anderen Studie ersparte Parkplatzsuchverkehr

Selbst der Zuwachs von 2,5 Prozent gilt nur unter eher ungünstigen Voraussetzungen: Als mögliche Fahrtziele wurden nicht etwa private Abstellflächen zuhause, sondern nur große Ansammlungen frei verfügbarer Straßenparkplätze berücksichtigt. Daraus ergeben sich Fahrtstrecken von bis zu zwölf Kilometer je Richtung, weil in weiten Teilen Seattles nur Anwohner parken dürfen,

Ein vernetztes System vorausgesetzt, wäre von den 2,5 Prozent Zuwachs noch der wegfallende Parkplatzsuchverkehr abzuziehen. Eine auf dem TRB 2016 präsentierte kalifornische Metastudie bewertete diesen Effekt mit einem Rückgang der Verkehrsmenge um 4 Prozent. Sie fand allerdings zahlreiche andere Effekte, die insgesamt für eine Verkehrslawine sprechen.

Die neue Simulation aufgesetzt haben Umweltingenieur Corey Harper und seine Kollegen von der Carnegie Mellon Universität, wobei sie echte Daten Seattles über Verkehrsmengen, Parkplatzangebot sowie -gebühren herangezogen haben. “Für einzelne Parkgebühren vermeidende Autos kann die Tagesfahrleistung zwar um bis zu 70 Prozent zunehmen”, sagte Corey Harper im Gespräch mit heise online in Washington, “weil aber viel mehr Autos in der Stadt unterwegs sind als in der Innenstadt parken, erhöht sich die Fahrleistung insgesamt nicht stark.”

Machen nur fünf Prozent der Pkw die Sparfahrt, steigt die Pkw-Verkehrsmenge um 0,05 Prozent. Macht die Hälfte mit, steigt die Pkw-Fahrleistung in Seattle um 0,9 Prozent. Klar, je mehr autonome Fahrzeuge mitmachen, umso weiter wird der durchschnittliche Weg, weil die frei verfügbaren Parkplätze ja nach und nach belegt werden.

Corey Harper auf dem Jahrestreffen des Transportation Research Board 2018

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Für den Fahrzeugbesitzer soll sich der Aufwand dennoch immer rechnen. Bei Grenzkosten der Leerfahrten von 25 US-Cent je Meile kommt stets nur ein Bruchteil der üblichen Tagesgebühren für einen Innenstadtparkplatz zusammen. Unstrittig ist, dass nicht mehr benutzte Parkplätze in Innenstadtlagen wertvoll für die Stadtentwicklung wären.

Allerdings könnten die leeren Autos örtlich Staus bilden, abhängig von der zeitlichen Verteilung ihrer Leerfahrten. Was die Simulation nicht vorhersagen kann, ist, wie viele Fahrzeuginhaber dank sinkender Abstellkosten von anderen Verkehrsträgern auf autonome Pkw umsteigen würden.

Die Simulationsergebnisse sind Teil der 2017 erschienen Doktorarbeit Harpers, der inzwischen bei einem Beratungsunternehmen in Washington, DC, arbeitet:

Verkehrsforscher, Behördenmitarbeiter und Branchenfachleute haben sich diese Woche in der US-Hauptstadt zum 97. Jahrestreffen des Transportation Research Board (TRB) eingefunden. Mit mehr als 13.000 Teilnehmern soll es die größte Veranstaltung ihrer Art sein. Das TRB ist eine Abteilung des Nationalen Forschungsrates (National Research Council), welcher den US-Präsidenten berät. Das Jahrestreffen des TRB ist ein Mammut-Ereignis mit fast 800 Sitzungen mit mehr als 5000 Präsentationen zu Verkehrsthemen. (ds)

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