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Autonomes Fahren: Uber feuert Entwicklungschef

Uber hat Anthony Levandowski gefeuert. Er war bei Uber für die technische Entwicklung selbstfahrender Autos verantwortlich. Waymo wirft ihm vor, Geschäftsgeheimnisse gestohlen und zu Uber mitgenommen zu haben.

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Ex-Googler Anthony Levandowski arbeitet nicht länger für Uber.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Knalleffekt im Streit zwischen Waymo und Uber um den möglichen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen: Uber hat seinen Technik-Manager Anthony Levandowski mit sofortiger Wirkung entlassen. Das hat ein eingeweihter Uber-Manager heise online bestätigt. Anlass ist Levandowskis Weigerung, die Untersuchung seines möglichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen bei Waymo zu unterstützen.

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Die Alphabet-Tochter Waymo, wo Levandowski bis Anfang 2016 in leitender Funktion an der Entwicklung selbstfahrender Autos gearbeitet hatte, erhebt in einer gerichtlichen Klage schwere Vorwürfe gegen den Manager und Uber: Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen, Patentverletzung und Unlauterer Wettbewerb. Ein Prozess ist seit Februar anhängig (US District Court of Northern California, Az. 3:17-cv-00939). Uber stellt die Vorwürfe in Abrede und hat nach eigenen Angaben entlastende Unterlagen eingebracht.

Doch Levandowski, der bei Ubers Entwicklungsabteilung als Technikchef tätig war, macht von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch – sowohl vor Gericht als auch im Rahmen einer internen Untersuchung Ubers. Während das für Levandowski selbst von Vorteil sein mag, erschwert sein Schweigen Ubers Verteidigung vor Gericht. Die Firma setzte ihrem Manager eine Frist und hat ihn nun, nach Fristablauf, entlassen. Levandowskis Aufgaben übernimmt bis auf weiteres der Uber-Manager Eric Meyhofer.

Von 2007 bis Anfang 2016 hatte Levandowski bei Google/Waymo in führender Rolle an der Entwicklung selbstfahrender Autos gearbeitet. Waymo beschuldigt den Mann, im Dezember 2015 14.000 Dokumente mit wertvollen Geschäftsgeheimnissen, insbesondere zu Waymos selbst entwickelter Lidar-Technik, kopiert zu haben. Lidar sind Laser-Radare, mit denen selbstfahrende Autos ihre Umgebung abtasten.

Außerdem soll Levandowski versucht haben, die Spuren zu verwischen. Bereits vor seinem plötzlichen Weggang von Waymo hatte er insgeheim eine eigene Firma namens Otto gegründet, die bald die Entwicklung selbstfahrender Lastfahrzeuge aufnahm. Nur wenige Monate später übernahm Uber Otto und stellte Levandowski ein. Ventilierter Kaufpreis: 680 Millionen US-Dollar.

Aufgedeckt wurde der Fall laut Klageschrift durch den Fehler eines Lieferanten. Er dürfte ein E-Mail mit der technischen Zeichnung einer Lidar-Platine nicht nur an Uber, sondern irrtümlich auch an Waymo geschickt haben. Die Zeichnung soll Waymos eigenen Plänen frappant ähneln. Das veranlasste Waymo zu weiteren Nachforschungen, die weitere belastende Indizien zu Tage gefördert haben sollen. Uber wollte die Sache vor einem nicht öffentlichen Schiedsgericht verhandeln, was Waymo und das Gericht jedoch abgelehnt haben. (ds)