Menü

"Autopilot": Verbraucherschützer und Verkehrssicherheits-Behörde stellen Tesla hart in Frage

Consumer Reports hat sich Teslas "Autopilot" vorgeknöpft und stellt ihm ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Autonomes Fahren gar sei für Tesla in weiter Ferne.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 804 Beiträge

Tesla Model 3, dessen Dach während des Unfalls abgetrennt wurde.

(Bild: ntsb.gov)

Von

Elektroautohersteller Tesla kommt in einem Test der US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports mit seiner Fahrassistenzsoftware "Autopilot" gar nicht gut weg. Zudem hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB einen Bericht zu einem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model 3 von Anfang März dieses Jahres veröffentlicht, laut dem der Fahrer die Software "Autopilot" zehn Sekunden vor dem Unfall eingeschaltet hatte.

Consumer Reports hat nach eigenen Angaben Teslas vorigen Monat aktualisierte Fahrassistenzsoftware getestet und mit menschlichem Fahrverhalten verglichen. Mit ihr könne nicht "noch übergangsloser" gefahren werden, wie Tesla behaupte, stattdessen funktioniere die Software nicht einwandfrei und schaffe potenzielle Gefahren für den Fahrer.

Die Fahrtüchtigkeit des "Autopilot" liege weit hinter der menschlicher Fahrer, meint Consumer Reports. Durch den automatischen Spurwechsel überhole beispielsweise ein Tesla andere Autos in einer Weise, die gegen die Straßenverkehrsvorschriften verstoßen, habe sich aus diversen Gesprächen mit Polizisten ergeben. Der Fahrer müsse oft eingreifen, um den "Autopilot" von falschen Entscheidungen abzuhalten. Probleme habe der "Autopilot" auch in dichtem Verkehr, indem er zu häufig bremse, um mehr Abstand zu den anderen Autos zu schaffen. Das Verhalten sei für andere Verkehrsteilnehmer nicht schlüssig.

Der Fahrer kann einen automatischen Spurwechsel unterbinden, indem er beispielsweise bremst oder das Lenkrad hält. Jake Fisher, der bei Consumer Reports für Autotests verantwortlich ist, urteilt über Teslas Software, sie erfordere ständige Aufmerksamkeit des Fahrers. Sie sei "kurzsichtig", reagiere nicht angemessen auf Bremsleuchten oder Blinker vorausfahrender Autos und könne nicht das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer antizipieren. Das System ständig zu beobachten sei wesentlich aufwändiger für den Fahrer, als wenn er den Spurwechsel einfach selbst vornehme, meint Fisher.

Tesla behaupte, Ende nächsten Jahres Software für autonomes Fahren anbieten zu können. Doch die Erfahrungen der Verbraucherschützer mit "Navigate on Autopilot" hätten ergeben, dass die Entwicklung noch wesentlicher länger dauern werde. Zudem hätten Experten laut Consumer Reports gesagt, der automatische Spurwechsel zeige die Grenzen von Teslas Hardware auf.

Einen weiteren Nackenschlag bekommt Tesla von der US- Verkehrsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB). Dessen erster Unfallbericht zu einem tödlichen Tesla-Crash am 1. März wirft neue Fragen zum "Autopilot" auf. Laut dem Bericht hatte der Fahrer die "Autopilot"-Software zehn Sekunden vor dem Unfall eingeschaltet. In den letzten acht Sekunden vor dem Zusammenstoß seien keine Handbewegungen auf dem Lenkrad registriert worden.

Tesla zieht daraus den Schluss, dass der Fahrer sofort nach "Autopilot"-Aktivierung das Steuer losließ. Weder die Software noch der Fahrer hätten versucht, auszuweichen. Der Tesla Model 3 sei beim Zusammenstoß mit einer Geschwindigkeit von 68 Meilen pro Stunde (gut 109 km/h) gefahren, während auf dem Highway-Abschnitt 55 Meilen pro Stunde (88,5 km/h) erlaubt gewesen seien.

Der Fall hatte für besondere Aufmerksamkeit gesorgt, weil sich die Umstände aus einem tödlichen Zusammenstoß vor drei Jahren wiederholten: Der Tesla raste unter einen Lastwagen-Anhänger, der die Straße querte. Tesla hatte zu dem Unfall im Jahr 2016 erklärt, möglicherweise habe der "Autopilot" die weiße Seite des Anhängers vor dem Hintergrund eines hellen Himmels nicht erkannt oder für ein Autobahn-Schild gehalten.

Teslas Modellpalette (23 Bilder)

Der Roadster war Teslas erstes Serienauto, das neue Modell soll 2020 auf den Markt kommen.
(Bild: Tesla)

Zugleich bemängelten die NTSB-Experten damals, die Technik habe es zugelassen, dass der Fahrer nicht auf den Verkehr geachtet habe. Tesla verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen und machte es unmöglich, die Hände für eine längere Zeit vom Lenkrad zu nehmen.

"Autopilot" ist kein echtes Selbststeuerungssystem, sondern lediglich ein Fahrassistenzsystem. Tesla weist stets darauf hin, dass der Mensch am Steuer immer den Überblick über die Verkehrssituation und die Kontrolle über das Fahrzeug behalten solle. (anw)