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Autoplay-Videos: Chrome testet erweiterte Mute-Funktion

In der Testversion des Google-Browsers können Nutzer Websites dauerhaft zum Verstummen bringen. Vorher hatten sich die Entwickler explizit gegen eine solche Funktion entschieden.

Autoplay-Videos: Chrome testet erweiterte Mute-Funktion

Wer im Browser gewöhnlich viele Tabs öffnet, kennt das Problem: Im Hintergrund lädt eine Website ein Autoplay-Video mit Ton und unterbricht damit den Arbeitsablauf. Mit der neuen Version von Chrome Canary haben die Entwickler von Chrome eine Mute-Funktion veröffentlicht, die über vorangegangene Optionen hinausreicht.

Es ist ein Experiment: Nutzer müssen die Funktion erst aktivieren. Wer Canary mit der Option --enable-features=SoundContentSetting startet, kann bestimmten Websites auf Dauer den Mund verbieten. In den Seiteneinstellung findet sich fortan eine Stummschalte-Option, die sich die Einstellungen für eine Website merkt.

Auch vorher ist das Chrome-Team das Thema Sound eher vorsichtig angegangen. Zwar führten die Entwickler bereits 2014 ein spezielles Symbol ein, das Tabs mit Sounds zumindest kennzeichnet. Eine Stummschaltefunktion wurde bisher aber bewusst nicht in der Standardausgabe von Chrome voreingestellt aktiviert.

So sei es ein stärkeres Signal ein Tab mit "misbehaving content" – also absichtlich störende Inhalten – zu schließen, argumentierten die Chrome-Entwickler damals. Dennoch können Nutzer seit 2016 in normalen Chrome-Version unter chrome://flags/#enable-tab-audio-muting eine tab-basierte Stummschaltung aktivieren. Auch über Extensions können Nutzer in die Sound-Ausgabe des Browsers eingreifen.

Die neue Option ist konsistent mit Googles "Better Ads"-Strategie, die insbesondere Autoplay-Videos mit Sound als Störfaktor identifiziert hat. Diese treiben laut Überzeugung der von Google angeführten Industrie-Koalition Nutzer dazu, Adblocker einzusetzen – für den werbefinanzierten Konzern ist dies ein Geschäftsrisiko.

Mit dem für kommendes Jahr angekündigten Adfilter sollen Websites, die auf solche Werbetechniken setzen, künftig abgestraft werden, indem sie gar keine Werbung mehr an Chrome-Nutzer ausliefern können. Allerdings plant Google nur die Websites mit dem meisten Traffic auf unerwünschte Werbeformen zu überwachen. Mit einer zusätzlichen nutzerbasierten Lösung könnten solche Werbeformen auch auf kleineren Websites bekämpft werden. (Torsten Kleinz) / (jk)

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