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Autor der Mainboard-Monitoring-Freeware MBM hat keine Lust mehr

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Alex van Kaam entwickelt sein beliebtes und weit verbreitetes Hardware-Monitoring-Tool Motherboard Monitor nicht mehr weiter. Der Niederländer van Kaam führt -- neben erlahmender Motivation nach fast siebeneinhalb Jahren kontinuierlicher Arbeit -- auf seiner Projekt-Webseite mehrere Gründe für den Entwicklungsstopp von "MBM" an: Demnach wird es immer schwieriger, von den Mainboard- und Chipsatz-Herstellern die nötigen Informationen zu bekommen. Er hebt namentlich die Mainboardfirmen Abit und Asus und die Chipsatz-Hersteller ATI, SiS und VIA hervor, die übrigens -- wie Nvidia -- auch Journalisten kaum jemals mit den für seriöse Tests eigentlich nötigen Datenblättern versorgen.

MBM ist eine über Plugin-Schnittstellen erweiterbare Windows-Software, die Daten von Mainboard-Sensoren sammeln und anzeigen kann. Solche Sensoren messen beispielsweise (mehr oder weniger genau) Betriebsspannungen, Temperaturen von CPU und PC-Innenluft sowie Lüfterdrehzahlen. Diese so genannten Hardware-Monitoring-Funktionen lassen sich in Form separater Chips auf dem Mainboard realisieren, seit geraumer Zeit sind aber auch Super-I/O-Chips und Chipsatz-Southbridges mit integrierten Analog-Digital-Wandlern zu haben.

Über die Gründe, weshalb viele Hardware-Hersteller kaum noch gehaltvolle Informationen herausgeben, lässt sich nur spekulieren. Einerseits wäre die Pflege öffentlicher Datenblätter samt der nötigen Revisionskontrolle selbstverständlich mit einem gewissen Aufwand verbunden, der durch die immer kürzeren Abstände zwischen Neuvorstellungen rasant wächst. Andererseits würde man der Konkurrenz unter Umständen Hintergrundinformationen liefern. Ein weiterer Grund ist, dass die Mainboard-Firmen seit einigen Jahren eigene Hardware-Monitoring-Software mitliefern und zunehmend proprietäte Regelungs- und Übertaktungsfunktionen entwickeln -- meistens über knallbunte Windows-Tools (manche mit laufenden Entchen, andere im Camouflage-Look oder technoid verspielt) steuerbar. Solche Gimmicks haben sich wegen der immer dichter beieinander liegenden Leistungen von Mainboards als wichtige Unterscheidungskriterien im Konkurrenzkampf bewährt und kosten -- im Unterschied zu echten Hardware-Innovationen -- nur wenig Geld. Einige Firmen stecken aber durchaus viel Aufwand in die Entwicklung proprietärer Spezialchips, die nicht nur eine temperaturabhängige Regelung der Lüfterdrehzahlen ermöglichen, sondern Hauptprozessor und RAM auch noch dynamisch und mittlerweile sogar Applikations-abhängig übertakten. Solche Spezial-Chips nutzen meistens (und blockieren nicht selten) den System Management Bus (SMBus), den auch MBM zum Auslesen der Sensor-Informationen nutzt.

Das Interesse, freien Entwicklern Einblick in möglicherweise heikle oder lizenzrechtlich geschützte Firmenunterlagen zu gewähren, ist unter solchen Bedingungen gering. Alex van Kaam bedauert auch, dass er die Quelltexte von MBM nicht veröffentlichen darf, weil darin viele Informationen steckten, die er nur unter Geheimhaltungsvorbehalt verwerten durfte -- es geht ihm also ganz ähnlich wie einigen Entwicklern von Linux-Treibern, etwa für WLAN-Chips.

Neben solchen handfesten Problemen ist van Kaam es aber offenbar auch leid, trotz gut besuchter Foren und ausführlicher FAQ-Antworten "täglich etwa 1 Stunde lang" E-Mails von Anwendern zu beantworten, in denen immer wieder dieselben alten Fragen auftauchten. Das sei zwar nicht nur deren Schuld, denn MBM habe mittlerweile leider eine sehr komplexe Oberfläche, aber auch zu einer grundlegenden Überarbeitung der Software fehle ihm die Zeit -- schade! (ciw)

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